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China als Supermacht des Mittelalters

Vor 1400 Jahren leitete im Jahr 618 der Aufstieg der Tang-Dynastie eine besondere
Epoche der chinesischen Geschichte ein

"Seit alter Zeit hat jedermann die Chinesen geehrt und die Barbaren verachtet; nur ich alleine liebe sie als Einheit"; so fasste Kaiser Taizong (reg. 626-649) das Ideal seiner über das Reich der Mitte hinaus alle Nachbarvölker umfassenden Herrschaft zusammen. Tatsächlich stieg China unter der Tang-Dynastie von 618 bis 907 zu einer frühmittelalterlichen Supermacht auf, die Truppen entlang der Seidenstraße bis an die Grenzen Irans sandte und Handelsschiffe aus dem ganzen Indischen Ozean bis hin nach Ostafrika anlockte. Die Erinnerung daran ist gerade im modernen China lebendig.


 Die "Wiedervereinigung" Chinas

Seit dem frühen 4. Jahrhundert n. Chr. war die vormals bestehende Einheit Chinas zwischen konkurrierenden Dynastien im Süden und im Norden des Landes zerbrochen. Doch begründete im Jahr 581 General Yang Jian unter dem Kaisernamen Wendi die Sui-Dynastie, die zuerst den Norden und 588/589 auch den Süden unter ihre Kontrolle bringen konnte. Die Sui verstanden sich als Nachfolger der Han, die zwischen 206 v. Chr. und 220 n. Chr. das erste vereinte chinesische Kaiserreich beherrscht hatten, und gründeten großangelegte neue Hauptstädte an den Orten der alten Residenzen Chang'an und Luoyang. Zur Versorgung dieser Metropolen, aber auch zur allgemeinen Lenkung der Ernte- und Steuererträge des reichen Südens begann Wendi mit dem Bau eines tausende Kilometer umfassenden Kanalsystems, das die Flusssysteme des Huang He und des Jangtsekiang miteinander verbinden sollte.
Unter seinem Sohn und Nachfolger Yangdi (reg. 604-618) wurden diese Arbeiten fortgesetzt, angeblich unter Mobilisierung von mehreren hunderttausend Arbeitskräften pro Jahr. Als dazu noch die Belastungen für den Ausbau der neuen Hauptstädte sowie mehrere verlustreiche, aber erfolglose Feldzüge gegen das koreanische Königreich Koguryo kamen, brachen in verschiedenen Regionen des Reiches Aufstände auf. Im Jahr 618 wurde Kaiser Yangdi ermordet. Aus dem Bürgerkrieg ging General Yuan aus der Familie der Li als Sieger hervor, der als Kaiser Gaozu am 18. Juni 618 die neue Tang-Dynastie begründete.  Bis 626 gelang es den Tang, ganz China unter ihre Kontrolle zu bringen und auch einen bis vor die Hauptstadt Chang'an vorgetragenen Angriff des in der heutigen Mongolei herrschenden osttürkischen Khanats, das von den innerchinesischen Kämpfen profitiert hatte, abzuwehren.

Karte: Asien um das Jahr 750 n. Chr., mit dem China der Tang und dem arabischen Kalifat als "Supermächten"

Eine Weltmacht und eine Millionenstadt

Kaiser Gaozu wurde durch seinen Sohn Li Shimin gestürzt, der als Kaiser Taizong (reg. 626-649) die Grundlagen für den Aufstieg Chinas zur "Supermacht" in Eurasien legte. Bis 630 gelang ihm die Unterwerfung des nach einer Serie von katastrophalen Wintern, Hungersnöten und inneren Aufständen geschwächten Osttürkenkhanats und die Errichtung einer Oberhoheit über weite Teile der Steppe. Von seinen neuen nicht-chinesischen Gefolgsleuten ließ sich der Kaiser zum "Himmelskhan" (Tian kehan) ausrufen. Der Unterwerfung des Osttürken-Khanats folgte eine Expansion nach Nordwesten entlang der Handelsrouten der "Seidenstraße" ins Tarimbecken und darüber hinaus ins westliche Zentralasien. Um 660 erstreckte sich die chinesische Oberhoheit bis an die Grenzen des Iran. Intensiviert wurden durch die Westexpansion auch die Kontakte zu Indien, das als "Heiliges Land" des seit dem 1. Jh. n. Chr. in China immer weiter verbreiteten Buddhismus gesteigertes Interesse genoss; zwischen 618 und 750 sind nicht weniger als 50 diplomatische Missionen zwischen indischen Fürsten und den Tang überliefert. Dazu kamen Gesandtschaften aus aller Herren Länder von Persien bis nach Japan, die zusammen mit einwandernden Kaufleuten, Künstlern und Handwerkern zum kosmopolitischen Charakter der Hauptstadt Chang´an (das heutige Xian) beitrugen. In dieser streng geometrisch nach einem Schachbrettmuster angelegten Metropole lebten auf einer Fläche von 85 Quadratkilometern an die zwei Millionen Menschen, mehr als in jeder anderen Stadt der Welt. Die Pracht der Hauptstadt, aber auch andere Aspekte der Kultur
der Tang-Zeit wurden zum Vorbild der Nachbarn, insbesondere in Korea und im entstehenden japanischen Kaiserreich.

Die Hauptstadt der Tang-Dynastie Chang´an im Flächenvergleich mit anderen Hauptstädten des Mittelalters

Die Kosten der Expansion

Die weitreichende (und teure) Ausdehnung chinesischer Macht rief allerdings auch Kritiker aus den Plan - und rückblickend warf im 11. Jahrhundert der Historiker Sima Guang den Tang vor, versucht zu haben "die Völker in allen vier Himmelsrichtungen zu verschlucken". Tatsächlich stellten bald neue Herausforderer den Weltherrschaftsanspruch der Tang in Frage, darunter das unter den Kaisern der Yarlung-Dynastie ab 601entstehende Großreich der Tibeter. Diese orientierten sich zwar ebenfalls am kulturellen Vorbild der chinesischen Nachbarn und importierten von dort Elemente des Buddhismus, rangen aber den Tang ab 670 die Kontrolle wichtiger Städte entlang der Handelsrouten im östlichen Zentralasien ab. Um 682 ging auch die Oberhoheit über die Steppen der Mongolei durch die Gründung eines zweiten (Ost)Türkischen Khanats verloren. In China regierte zu diesem Zeitpunkt Wu Zetian (reg. 690-705), die als Lieblingsfrau des Tang-Kaisers Gaozong zur mächtigsten Figur am Hof aufgestiegen war und nach seinem Tod 683 zuerst
mittels ihrer Söhne als Marionettenkaiser herrschte, ehe sie sich selbst zur (erstmals in der chinesischen Geschichte) alleinherrschenden Kaiserin ausrufen und sogar eine neue Dynastie (der Zhou) in Ablöse der Tang verkünden ließ. Zur Legitimation ihrer Herrschaft förderte sie insbesondere den Buddhismus, wurde in dessen Schriften wie der "Großen Wolkensutra" doch die Herrschaft einer Frau sogar als Ideal beschrieben. Allerdings wankte nach einigen Jahren das Regime der bald 80jährigen, und 705 wurde sie zur Abdankung gezwungen. Erst ab 712 konnte die wiederhergestellte Herrschaft der Tang unter Kaiser Xuanzong (reg. 712-756) stabilisiert werden. Inzwischen war neben den Tibetern und den Türken aber mit dem arabisch-islamischen Kalifat eine den Tang durchaus ebenbürtige Supermacht durch den Iran bis nach Zentralasien vorgedrungen und stellte nun ebenfalls dort die chinesische Machtstellung in Frage.

Das buddhistische Heiligtum in der Fengxian-Höhle in Longmen, errichtet auf Befehl der Kaiserin Wu Zetian im späteren 7. Jh.

Zusammenbruch und Wiedererrichtung des Reiches

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurden neue große Grenzkommandanturen eingerichtet, die mehrere Provinzen unter einem zentralen Kommando vereinten; dieses legte man zuerst in die Hände chinesischer Adeliger. Nachdem man aber befürchtete, diese könnten selbst nach dem Kaiserthron greifen, vertraute man diese Posten auch Generälen ausländischer Herkunft an. Einer von ihnen, der koreanisch-stämmige Feldherr Ko Sonji, unternahm 747 bis 750 mehrere erfolgreiche Feldzüge in Zentralasien, ehe er im Juli 751 am Fluss Talas im heutigen Kirgisistan einer arabischen Armee unterlag. Dieser Sieg war zwar ein Prestige-Erfolg des Kalifats im "Fernduell" mit den Tang (und kriegsgefangene Chinesen wurden bis in die Reichszentrale der Kalifen im Irak verbracht, von wo einigen sogar die Rückkehr nach China gelang), nachhaltig gefährdet war die chinesische Position in Zentralasien vorerst aber nicht. Jedoch wagte es im Jahr 755 ein anderer der mächtigen Grenzgeneräle, An Lushan, Sohn eines sogdischen Vaters und einer türkischen Mutter, die Tang-Dynastie herauszufordern. Ihm gelang es, die kaiserlichen Armeen zu überraschen und die Hauptstädte Luoyang und Chang'an einzunehmen, wo er sich 756 zum Kaiser ausrufen ließ. Allerdings fiel er schon 757 einem Mordkomplott um seinen eigenen Sohn An Qingxu zum Opfer. Mit Waffenhilfe der Uiguren, die inzwischen die Vormacht in den mongolischen Steppen erlangt hatten, konnte allmählich der Tang-Kaiser Suzong (reg. 756-762) wieder die Oberhand gewinnen, aber es sollte bis 763 dauern, ehe die letzten Rebellen besiegt werden konnten. Chang'an wurde mehrfach Opfer von Plünderungen, zuletzt 763 sogar durch eine überraschend vorrückende Armee der Tibeter. Und auch sonst war das Imperium nach diesen Jahren der Unruhe nicht mehr dasselbe; viele Provinzkommandanten im Nordosten, wo der Aufstand des An Lushan seinen Anfang genommen hatte, regierten nun weitgehend eigenständig unter nur mehr nomineller Oberhoheit des Kaisers und entrichteten auch keine Steuern mehr. Das Regime in Chang'an blieb gegen innere und äußere Gegner abhängig vom Bündnis mit dem Khan der Uiguren, die sich diese Unterstützung durch Handelsprivilegien und andere Vorrechte teuer abgelten ließen.

Ein zentralasiatischer Kaufmann auf einem Kamel, Keramik aus der Zeit der Tang (Shanghai Museum)

Zwischen Begeisterung für das Exotische und Xenophobie

Die langwierigen Kämpfe schädigten auch die Handelsrouten von Chinas Nordwesten nach Zentralasien; dies trug gemeinsam mit der wirtschaftlichen Dynamik der südchinesischen Gebiete zu einer stärkeren Nutzung der Seeverbindungen im Indischen Ozean von Südchina über Südostasien nach Indien und in die islamische Welt bis in den Persischen Golf bei. Aktiv waren darin vor allem die arabischen und persischen Händler neben ihren Kollegen aus Indien und Südostasien, die alle gemeinsam im südchinesischen Hafen Guangchou (Kanton) im 8. und 9. Jahrhundert ganze Stadtviertel bevölkerten. Über die im 7. Jahrhundert errichteten Kanalsysteme entwickelte sich ein intensiver Verkehr auch zwischen dem Süden Chinas und dem Reichszentrum der Tang-Kaiser im Norden, die ihre Finanzen durch Besteuerung des Handels etwa mit Salz auf eine neue Grundlage stellen konnten. Gleichzeitig gelangten weiterhin "exotische" Güter, Kenntnisse und auch Menschen auf diesen Routen an den Hof der Tang; dazu gehörten auch Elefanten, die als diplomatische Geschenke auf dem Seeweg aus Südostasien und dann durch ganz China transportiert wurden. Als Kaiser Dezong (reg. 779-805) kurz nach seiner Thronbesteigung die exotischen Tiere aus den Palastparkanlagen freiließ, um Kosten zu sparen, befanden sich darunter nicht weniger als 32 Elefanten, die ohne die Pflege des Hofes im Norden Chinas wohl nach kurzer Zeit zugrunde gingen.

Zu Maßnahmen gegen "ausländische" Einflüsse kam es allerdings unter Kaiser Wuzong (reg. 840-846), der nach dem Zusammenbruch der mittlerweile ungeliebten Schutzmacht des Uiguren-Khanats gegen "importierte" Kulte wie den (von den Uiguren praktizierten) Manichäismus, das Christentum und vor allem den Buddhismus vorging. Dafür besitzen wir die eindrückliche Beschreibung des damals in China weilenden buddhistischen Mönchs Ennin aus Japan. Angeblich mehr als 4600 Klöstern und 40000 Schreine und Heiligtümer wurden beschlagnahmt, auch zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen; zehntausende Mönche und Nonne versetzte man in den Laienstand (und somit in den Status von Steuerzahlern).

Kopfstück der im Jahr 781 errichteten Stele mit einer Inschrift zur Geschichte der christlichen Gemeinde in der Tang-Hauptstadt Chang´an

Der Untergang und das Erbe der Tang-Dynastie

Dieser Ausbruch von Xenophobie und auch die Gewinne aus den Konfiskationen vermochten aber das Tang-Regime nicht zu stabilisieren; die Macht der Reichszentrale über die Provinzen verfiel immer mehr, und selbst das Ansehen des Tang-Hofes im Ausland wurde geschwächt (eine letzte offizielle japanische Gesandtschaft wurde z. B. 838 entboten). Instabilität und immer wieder ausbrechende Rebellionen schädigten auch den Handel, nicht zuletzt durch Übergriffe auf Ausländer und deren Besitz. Einen traurigen Höhepunkt stellte die Eroberung von Guangchou (Kanton) durch die Truppen des Rebellenführer Huang Chao im Jahr 879 dar, bei der zehntausende Kaufleute aus der islamischen Welt und anderen Gebieten massakriert wurden. 880 konnte Huang Chao dann sogar die Hauptstädte Luoyang und Chang'an einnehmen. Erst 884 gelang den Tang treuen Armeen die Niederschlagung der Revolte; die Dynastie fiel aber endgültig in die Abhängigkeit miteinander konkurrierender Kommandeure. Im Jahr 903 besetzte General Zhu Quangzhong Chang'an und erklärte ein Jahr später die bereits im Verfall begriffene Hauptstadt offiziell für aufgelöst. Die letzten Tang-Kaiser überführte Zhu Quangzhong nach Luoyang, wo er 907 die Dynastie für beendet erklärte und sich zum Kaiser seiner eigene Liang-Dynastie ausrief. Damit zerbrach aber auch offiziell die Reichseinheit Chinas, und verschiedene Dynastien kämpften um die Macht

Erst um 960 gelang es der Song-Dynastie, wieder den Großteil Chinas in einer Hand zu vereinen; die territoriale Ausdehnung der Tang-Zeit konnten sie aber nie erreichen. Immerhin intensivierte sich unter ihrer Herrschaft die maritime Vernetzung Südchinas über den Fernhandel nach Südostasien, ein Erbe der Tang-Zeit, das bis zu den letzten großen See-Expeditionen der Ming-Kaiser im 15. Jahrhundert große Bedeutung haben sollte. In der Geschichte Chinas gilt die Epoche der Tang aber bis heute als eine einzigartige Blütezeit, die auch als Vorbild eines neuen Strebens nach Weltgeltung dient.

Werbung für einen chinesischen Monumentalfilm zur Geschichte der Tang aus dem Jahr 2017

Der Autor

Johannes Preiser-Kapeller (* 24. 8. 1977 in Zwettl/NÖ) studierte Byzantinistik und Neogräzistik sowie Alte Geschichte und Altertumswissenschaften in Wien. Seit 2007 an der Abteilung für Byzanzforschung des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und an der Universität Wien tätig. Zahlreiche Publikationen, u. a. zur Globalgeschichte des Mittelalters. Das China der Tang-Dynastie spielt auch eine wichtige Rolle in seinem neu erschienenen Buch "Jenseits von Rom und Karl dem Großen. Aspekte der globalen Verflechtung in der langen Spätantike, 300-800 n. Chr." (2018, Mandelbaum-Verlag).






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Ein gemeinsamer Entwicklungspfad für komplexe Gesellschaften

Die heutige Welt ist von großen, hoch entwickelten, dicht besiedelten und technologisch fortgeschrittenen Nationalstaaten geprägt. Wie entstanden solche komplexen Gesellschaften? Warum teilen so viele verschiedene Staaten so viele Merkmale der Organisation und Struktur? Gibt es allgemeine Prinzipien für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft, die diese Gemeinsamkeiten erklären können? Zu verstehen, wie wir in unsere moderne Welt gekommen sind, ist der entscheidende erste Schritt, um uns zu zeigen, wohin wir gehen.

Ein neuer Artikel in den renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States [www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1708800115] bietet neue Antworten auf diese kritischen Fragen und untersucht systematisch, wie sich komplexe Gesellschaften auf der ganzen Welt in den letzten 10.000 Jahren entwickelt haben.

Diese Arbeit ist das Ergebnis jahrelanger Forschung, die von einem großen, internationalen Team von Evolutionswissenschaftlern, Historikern, Archäologen und Anthropologen unter der Leitung von Peter Turchin und Thomas Currie und unter Mitarbeit von Johannes Preiser-Kapeller von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) durchgeführt wurde. Die Forscher sammelten systematisch historische Informationen über ca. 400 verschiedene Gesellschaften der letzten 10.000 Jahre, die aus 30 Regionen auf der ganzen Welt stammten.

Unter Verwendung ausgefeilter Techniken der statistischen Analyse konnten sie eine einzelne Dimension der "sozialen Komplexität" bestimmen, die die Entwicklungsverläufe aller in der Stichprobe untersuchten Gesellschaften sinnvoll messen kann. Diese einzige Dimension besteht aus 9 hochgradig korrelierten "Bausteinen" (mit 51 separaten Merkmalen) - von der Größe der Gesellschaft bis zu ihrer wirtschaftlichen Komplexität, ihrer Verwaltungskapazität, den vorhandenen  Informationstechnologien und anderen. Während sich die meisten früheren Studien auf nur ein oder zwei "primäre" Merkmale konzentrieren, um die soziale Entwicklung zu erklären, zeigt dieser neue Befund, dass soziale Entwicklung eine komplizierte Co-Evolution von zahlreichen, scheinbar disparaten Merkmalen in einer Gesellschaft erfordert.

Die in diesem Projekt verwendeten Daten stammen aus der Seshat: Global History Databank, unter der Leitung von Peter Turchin, Harvey Whitehouse, Pieter Francois, Thomas Currie und Kevin Feeney. Das Seshat-Projekt sammelt Informationen aus vergangenen Gesellschaften, um verschiedene Hypothesen über den Aufstieg und Fall von großen Gesellschaften auf der ganzen Welt und in der Geschichte der Menschheit rigoros zu testen. Seshat versucht, die größte Sammlung von Daten über unsere gemeinsame menschliche Vergangenheit an einem Ort zusammenzutragen. Die Ergebnisse unterstreichen die Kraft der Kooperation zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, gemeinsam Hypothesen über allgemeine Regeln, die die menschliche Geschichte geformt haben könnten, aufzustellen und zu testen.

 

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Das Scheitern des Kalifats

Vor 1300 Jahren begann im August 717 die arabische Belagerung Konstantinopels. Der US-amerikanische Autor Harry Turtledove spielte 1989 in seiner Kurzgeschichte „Islands in the Sea“ mit der Idee einer arabischen Eroberung Konstantinopels im Jahr 717, die zu einer Dominanz des Kalifats in Osteuropa und zur Islamisierung anstelle einer Christianisierung der slawischen Welt führt. Doch auch jenseits solcher Spekulationen war der Versuch des Kalifats, das konkurrierende Imperium der Römer, als die sich die erst durch die neuzeitliche Forschung so bezeichneten Byzantiner verstanden, mit einem Schlag auszulöschen, eines der wichtigsten Ereignisse der Geschichte der Mittelmeerwelt.

Der Verlauf der Ereignisse und ihre Folgen können Sie in meinem Beitrag in der "Zeitreise" auf Die Presse-Online nachlesen:diepresse.com/home/zeitgeschichte/5273885/Das-Scheitern-des-Kalifats

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The timing of the crash

Temporal dynamics of medieval and modern banking systems

Johannes Preiser-Kapeller, IMAFO/ABF, Austrian Academy of Sciences

(Email: Johannes.Preiser-Kapeller@oeaw.ac.at)

Social Complexity and Financial Markets

In the last decades, the concept of complex systems has revolutionised our understanding of natural as well as social phenomena. Complex systems are understood as large networks of individual components, whose interactions at the microscopic level produce “complex” changing patterns of behaviour of the whole system on the macroscopic level; in the field of social systems, these patterns stem from the actions and interactions of individuals, ranging from families and small communities up to the globalized society of today (MILLER/PAGE, 2007; WHITE, 2008).

Most impressive examples of social complexity are financial markets, as has been explained for instance by the Swiss scientist Didier Sornette: “Financial markets constitute one among many other systems exhibiting a complex organization and dynamics with similar behavior. Systems with a large number of mutually interacting parts, often open to their environment, self-organize their internal structure and their dynamics with novel and sometimes surprising macroscopic (“emergent”) properties. (…) This view tends to replace the previous “analytical” approach, consisting of decomposing a system in components, such that the detailed understanding of each component was believed to bring understanding of the functioning of the whole. A central property of a complex system is the possible occurrence of coherent large-scale collective behaviors with a very rich structure, resulting from the repeated nonlinear interactions among its constituents: the whole turns out to be much more than the sum of its parts.” (SORNETTE, 2003, 15-16)

One of the most relevant questions is of course the resilience respectively the failure of social systems, since the impact of such phenomena on societies can be dramatic, as also most recent events (the financial crisis of 2008 and its aftermath) have demonstrated. While exogenous impacts (such as natural catastrophes) can stress or even over-stress the resilience of social systems, in the field of finances, most times “a crash has fundamentally an endogenous, or internal, origin (…) exogenous, or external, shocks only serve as triggering factors” (SORNETTE, 2003, 4). Therefore, while the interdependencies between a social system and its (complex) environment have to be analysed as well, the endogenous dynamics within the financial system shall be of primary concern: “Market crashes exemplify in a dramatic way the spontaneous emergence of extreme events in selforganizing systems. (…) Sudden transitions from a quiescent state to a crisis or catastrophic event provide the most dramatic fingerprints of the system dynamics. (…) Stasis and equilibrium are illusions, whereas dynamics and out-of-equilibrium are the rule. The quest for balance and constancy will always be unsuccessful. (…) The outstanding scientific question is thus how such large-scale patterns of catastrophic nature might evolve from a series of interactions on the smallest and increasingly larger scales. In complex systems, it has been found that the organization of spatial and temporal correlations do not stem, in general, from a nucleation phase diffusing across the system. It results rather from a progressive and more global cooperative process occurring over the whole system by repetitive interactions.” (SORNETTE, 2003, xv and 19; cf. also ALBEVERIO/JENTSCH/KANTZ, 2006, and TALEB, 2008, on extreme events; REINHART/ROGOFF, 2009).

Didier Sornette also states: “Crises are extreme events that occur rarely, albeit with extraordinary impact, and are thus completely undersampled and poorly constrained” (SORNETTE, 2003, 19-20). In this respect, historical analysis can contribute to an enlargement of our data basis on such events and their better understanding (cf. for a comparative approach also REINHART/ROGOFF, 2009).

 

A Complex Historical Analysis of Medieval Financial Markets

The origins of modern-day financial markets lie in the commercial centres of late medieval Italy (FERGUSON, 2008); in Florence, Genoa and Venice not only banks and banking techniques were developed, but also public borrowing via the emerging financial markets. In Florence, the first large mercantile and banking companies (“super-companies”) with far reaching networks of branches abroad were established at the end of the 13th century in order to answer to the requirements of large scale trade with grain and textiles and of the financing of the papacy and monarchs such as the King of England (RENOUARD, 1941; HUNT, 1994; NAJEMY, 2006; GOLDTHWAITE, 2009). Venice, otherwise a more conservative financial community, was on “the leading edge” for the development of giro and fractional reserve banking (meaning that funds deposited into a bank are mostly lent out, and a bank keeps only a fraction of the quantity of deposits as reserves, cf. GISCHER/HERZ/MENKHOFF, 2005) (LANE, 1973; MUELLER, 1997; STAHL, 2000). And Genoa saw the foundation of the first public bank in Italy in 1407/1408 (the “Banco di San Giorgio”), which offered “deposit taking, clearance and lending services” for privates as well as for the commune of Genoa (cf. esp. the studies of FELLONI; EPSTEIN, 1996). In all three cities, the growing pressure on public finance led to the establishment of a new form of public debt, “known as the monte because it was regarded literally as mountain-sized, consisting of shares issued by the commune, redeemable at its option, and paying a fixed low rate of interest.” (HUNT/MURRARY, 1999, 207; cf. also EPSTEIN, 2000; PEZZOLO, 2007; FERGUSON, 2008; STASAVAGE, 2011). These shares could also be sold and used as a form of private investment, thus increasing the complexity of financial markets.

Fig.: One page from the Libro delle Colonne of the Banco di San Giorgio in Genoa (1485; Archivio di Stato di Genova, San Giorgio, Colonne, Nr. 359)

 

Yet, these early financial markets soon experienced the systemic vulnerability to failures and crises up to extreme scales in a way similar to modern-day phenomena: between 1343 and 1346, the three largest Florentine “Super-Companies” of the Bardi, Peruzzi and Acciaiuoli all collapsed within 30 months, leading to major social upheavals in the city (HUNT, 1994; NAJEMY, 2006). The only survivor of similar scale, the Alberti Company, continued existence one more century, but in the form of a group of essentially independent branches in Florence and abroad, connected through family relationships. Companies of the scale of the Bardi or Peruzzi never again emerged in Renaissance Florence; also the famous Bank of the Medici (1397-1494) never achieved a similar predominance on the financial market as did its forerunners (DE ROOVER, 1966; ORIGO, 1985; HUNT/MURRARY, 1999; NAJEMY, 2006; GOLDTHWAITE, 2009). A different development we can observe in Venice; there, after a series of bank failures in the mid-14th century, banking houses became larger, also on demand of the legislator, who considered bigger companies less vulnerable to “unpredictabilities” such as bank runs and panics as well as better qualified to function as borrower to the state. But by these measures, in the medium term, bank failures become not only not less frequent, but also bigger (MUELLER, 1997; HUNT/MURRARY, 1999; PEZZOLO, 2006). Also in Genoa, the Banco di San Giorgio failed in 1444, because of “a lack of own capital necessary to face occasional liquidity shortages and insistent demands for money by the state which the bank could not turn down”; only in 1531, the bank would open its doors again (FELLONI; EPSTEIN, 1996; PEZZOLO, 2007; VALÍČKOVÁ, 2010). Therefore, an analysis of these three first emerging financial markets could substantially contribute to the complex dynamics of such social systems.

Fig.: A 14th century manuscript depicting bankers in an Italian counting house (British Library, Cocharelli, Cuttings from a Latin prose treatise on the Seven Vices: avarice)

 

Medieval Venice and the United States in Comparison: Methods and Results

The statistical analysis is based on binary time series (1 = presence of a major bank crash in that year, 0 = absence). Mean waiting times between years with events were calculated on the basis of an expectation test for a poisson process for simple columns of event times for the five phenomena. Probabilities of transition between years with events and years without were calculated with the help of Markov chain analysis on the basis of the above-mentioned time series. All calculations and graphs were done by the author with the help of the software programmes Microsoft-Excel* and PAST* (Version 2.17).

Figures: Frequencies (above) and histogramme of years with banking crises in Venice (blue) and the USA (red) during the 200 years periods

Interesting is of course the similar number of years with major bank failures and the similar mean waiting time between years with bank crashes in the two 200 years time series for Venice (1300-1500) and the USA (1800-2000). Both time series also show a certain cyclicity (which is more pronounced for the USA time series), indicating  comparable system dynamics up to a certain degree.

This is also indicated by the scalograms of wavelet transformations of the two binary time series; these scalograms help to identify cycles at various time scales (y-axis; a cycle at a scale of 4, for instance, indicates a length of 24  = 16 years, in our case) of different power (indicated with colours from blue [absent] to red [strong]) along the time line (x-axis) of 200 years (the black lines indicate the p = 0.05 significance level). We observe a significant increase in power for cycles at a scale of 4.2 = 18.38 years and upwards for the USA-timeline beginning from ca. 1900, for instance (which would be valid also for the interval between the bank crashes around 1990 and the most resent crisis starting in 2008). The 16 years cyclicity (at a scale of around 4 at the y-axis in the scalogram) for the Venetian time series is on the contrast less pronounced.

Fig.: Scalogram of the wavelet transformation of the binary time series of years with bank crashes
for Venice (1300-1500)

Fig.: Scalogram of the wavelet transformation of the binary time series of years with bank crashes for the USA (1800-2000)

Figure: Transition probabilities: years with major failures of banks in Venice (1300-1500)

Figure: Transition probabilities: years with major failures of banks in the USA (1800-2000)

 

Note the much higher transition probability between subsequent years of major bank crashes in comparison with the medieval Venetian time series, indicating a higher persistency of crisis periods once broken out in this modern day banking system of the United States.

Figure: Run on the Seamens Savings Bank during the Panic of 1857

 

Selected references

ALLISON, P. D.: Event History Analysis: Regression for Longitudinal Event Data (Quantitative Applications in the Social Sciences). Sage, London 1984.

ALBEVERIO, S.; JENTSCH, V.; KANTZ, H. (eds.), Extreme Events in Nature and Society, Berlin – Heidelberg 2006.

DE ROOVER, R.: The Rise and Decline of the Medici Bank, 1397-1494, New York 1966.

EASLY, D.; KLEINBERG, J.: Networks, Crowds, and Markets. Reasoning about a Highly Connected World, Cambridge 2010.

EPSTEIN, St. A.: Genoa and the Genoese, 958-1528, Chapel Hill – London 1996.

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FELLONI, G.: A profile of Genoa’s “Casa di San Giorgio” (1407-1805): a turning point in the history of credit (online: https://www.giuseppefelloni.it/rassegnastampa/A%20Profile%20of%20Genoa%27s%20Casa%20di%20San%20Giorgio.pdf) 

FELLONI, G.: Genoa and the History of Finance: a Series of Firsts? (online: https://www.giuseppefelloni.it/rassegnastampa/Genova%20e%20la%20storia%20della%20finanza.pdf) 

FELLONI, G.: The Primacy of Italian finance from the Middle Ages to early modern times (online: https://www.giuseppefelloni.it/rassegnastampa/The%20Primacy%20of%20Italian%20finance%20from%20the%20Middle%20Ages%20to%20early%20modern%20times.pdf)

FERGUSON, N.: The Ascent of Money. A Financial History of the World, London 2008.

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PREISER-KAPELLER, J.: (Not so) Distant Mirrors: a complex macro-comparison of polities and political, economic and religious systems in the crisis of the 14th century. International Conference “The Angevin Dynasty (14th Century)” in Targoviste (Romania), October 21st-23rd 2011 (Working Paper online: https://oeaw.academia.edu/JohannesPreiserKapeller/Papers).

PREISER-KAPELLER, J.: A complex systems approach to the evolutionary dynamics of human history: the case of the Late Medieval World Crisis. Symposium “Evolution throughout the Sciences and Humanities”. Vienna 2012 (Working Paper online: https://oeaw.academia.edu/JohannesPreiserKapeller/Papers)

PREISER-KAPELLER, J.: Complex historical dynamics of crisis: the case of Byzantium, in: S. JALKOTZY-DEGER – A. SUPPAN (eds.), Krise und Transformation. Vienna 2012, 69–127.

REINHART, C. M.; ROGOFF, K. S.: This Time is different. Eight Centuries of Financial Folly, Princeton – Oxford 2009.

SCHEFFER, M.: Critical Transitions in Nature and Society (Princeton Studies in Complexity), Princeton 2009.

SINHA, S.; CHATTERJEE, A.;  CHAKRABORTI, A.; CHAKRABARTI, B. K.: Econophysics. An Introduction, Weinheim 2011

SORNETTE, D.: Why Stock Markets Crash. Critical Events in Complex Financial Systems, Princeton – Oxford 2003.

STASAVAGE, D.: States of Credit. Size, Power, and the Development of European Polities, Princeton – Oxford 2011.

STAHL, A. M.: Zecca. The Mint of Venice in the Middle Ages, Baltimore – London 2000.

TALEB, N. N.: The Black Swan. The Impact of the Highly Improbable, London – New York 2008.

THOME, H.: Zeitreihenanalyse. Eine Einführung für Sozialwissenschaftler und Historiker, Munich – Vienna 2005.

VALÍČKOVÁ, P.:  Janovská banka San Giorgio: Příspěvek k dějinám veřejného dluhu (“San Giorgio: lessons from a history of public debts”), Brno 2010.

WILKINSON, N.: An Introduction to Behavioral Economics, Houndsmill – New York 2008.

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The Complex Mediterranean

Presentation on video: "The Complex Mediterranean. Networks, diffusion and social dynamics in the pre-modern period"

www.youtube.com/watch?v=5IiMfnagwno&index=2&list=PLxGU2gDyMnMkjcwWCpwr7-oPLn9rDtgOE

Keynote lecture by Johannes Preiser-Kapeller, given at the Workshop: “Bridging the Gaps: (Ancient) History from the Perspective of Mathematical and Computational Modelling and Network Analysis” (Brno, CZ, November 2015: https://gehir.phil.muni.cz/)

Abstract: “The Complex Mediterranean. Networks, diffusion and social dynamics in the pre-modern period”

Johannes Preiser-Kapeller, Institute for Medieval Research, Division of Byzantine Research, Austrian Academy of Sciences

Email: Johannes.Preiser-Kapeller@oeaw.ac.at

Website: https://oeaw.academia.edu/JohannesPreiserKapeller

The “Mediterranean” has become one of the most prominent and most-discussed concepts in historical studies since Braudel´s masterpiece of 1949, more recently followed by studies such as Horden and Purcell´s “Corrupting Sea” (2000), Abulafia´s “Great Sea” (2011) or Broodbanks “Making of the Middle Sea” (2013). Across this scholarship, we encounter various “Mediterraneans”, sometime unified and centres of their own “world systems”, sometimes fragmented into a multitude of “micro-regions” and “micro-ecologies”. In this paper, I will demonstrate how concepts of network analysis and complexity theory can contribute to an integration of these various facets of the “Middle Sea” and a better understanding of the dynamics of its integration and dis-integration during time. Furthermore, phenomena of (cultural, religious, economic or epidemic) diffusion will be discussed against this changing framework and in their interplay with “global”, regional and local networks. In general, the aim is to highlight aspects of social complexity of Mediterranean history beyond metaphors.

 

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Climate, Crusades and Collapse?

Upcoming Lecture: Climate, Crusades and Collapse? The Eastern Mediterranean ca. 1000-1200 (Princeton University, April 6th)

https://climatechangeandhistory.princeton.edu/events/climate-crusades-and-collapse-eastern-mediterranean-ca-1000-1200

Princeton University, April 6, 2016 - 4:30pm

Location: Dickinson 211

Speaker: Johannes Preiser-Kapeller, Austrian Academy of Sciences, Institute for Medieval Research, Division of Byzantine Research

This lecture discusses a recently proposed scenario of a climate-induced “Collapse of the Eastern Mediterranean” in the 11th century AD. It demonstrates that such a scenario cannot be maintained when confronted with proxy data from various regions. On the other hand, data on the interplay between environment and economy in the Komnenian period (1081–1185) and evidence for a change of climatic conditions in the period of the Angeloi (1185–1204) is presented, arguing that climatic parameters should be taken into consideration when comparing socio-economic dynamics in the Eastern Mediterranean with those in Western Europe. The necessity of further research on the regional as well as over-regional level for many aspects of the interaction between human society and environment in the medieval Eastern Mediterranean is highlighted.

See also the forthcoming paper:  J. Preiser-Kapeller, A Collapse of the Eastern Mediterranean? New results and theories on the interplay between climate and societies in Byzantium and the Near East, ca. 1000–1200 AD, Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik 65 (2015) 195-242 (https://www.academia.edu/19734639/A_Collapse_of_the_Eastern_Mediterranean_New_results_and_theories_on_the_interplay_between_climate_and_societies_in_Byzantium_and_the_Near_East_ca._1000_1200_AD

Fig.: Reconstruction of climatic conditions and general trends in agricultural production in the Byzantine Empire in the 11th cent. AD

 

The lecture is organised within the framework of the Climate Change and History Initiative

(https://climatechangeandhistory.princeton.edu/):

It follows a comparative approach to climate, environment and society in Eurasia, towards understanding the impact of climate on complex societies. This interdisciplinary project will investigate the impact of climatic changes across the last two millennia on societies in two environmentally sensitive areas:

  • The eastern Mediterranean basin (including the Balkans, Anatolia and the Near and Middle East).
  • The eastern Eurasian steppe, in particular Mongolia and the regions north of China.

The main foci of the project are (1) the differential impacts of climate and environmental change on society and state formation and (2) the impact of human society and polities on the environment.

From Austria, members of the team are Mihailo Popović and Johannes Preiser-Kapeller (both OEAW/IMAFO-ABF) (https://climatechangeandhistory.princeton.edu/about/people)

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The Deluge of 628 AD and the Collapse of Ancient Iraq

In a most recent article, a team of climatologists and historians around Ulf Büntgen has proposed the identification of a “Late Antique Little Ice Age” in the period from 536 to 660 AD which was characterised by significant socio-political upheavals and catastrophes such as volcanic eruptions and plague epidemics. Among the extreme events not included into their scenario by Büntgen et alii is the severe flood which in 628 AD affected what is now modern-day Southern Iraq, then the core province of the mighty Sasanian Empire, which was not to survive the following decades.

by Johannes Preiser-Kapeller, OEAW (Johannes.Preiser-Kapeller@oeaw.ac.at)

In his “Book of the Conquests of Lands”, the 9th century Arab historian al-Balādhurī reported: “(…) in the year 7 or 6 of Hegira [628/629] the Euphrates and the Tigris had a considerable flood, such as had never been seen before or after: large breaches opened that [the Sasanian Great King] Khusro [II] Parvez tried to close, but the water was stronger and reached the low country, submerging villages and crops and several land districts in this place. Khusro [II Parvez] came to the site in person to block the breaches: he laid a pile of silver on a leather tablecloth and put to death those workers who did not work hard enough (it is said that on a single dike he put under the cross, in one day, forty of those who worked there), but he could not stop the water. At the same time, the Arabs invaded Iraq and the Persians became henceforth preoccupied by war, to the point that the breaches grew larger without anyone worrying about it: the landowners in the villages were powerless to block them, so large were they, so the marshes grew in extent.” Al-Baladhuri X: 453-454 (transl. Hitti)

Great King Khusro II, called Parvez (“The Victorious”) at that time had ruled over the Sasanian Empire, which in its core encompassed modern-day Iran and Iraq, for almost 40 years (since 590 AD). Most of this time, he had waged war against the neighbouring Eastern Roman Empire. Since 602 and especially after 610 AD, Sasanian armies had occupied the richest provinces of their traditional imperial rival in Syria, Palestine and Egypt; two years before the flood of the Tigris, Persian troops even had stood at the Asian side of the Bosporus vis-à-vis the Roman capital of Constantinople. Yet in the face of the natural disaster, the Great King seemed almost as helpless as a mere mortal. 

Fig.: Taq-e Bostan in Iran: relief of Great King Khusro II in the centre with the goddess Anahita to the left and the god Ahura Mazda to the right.

In the narrative of al-Balādhurī and other Arab historians, the incipient invasion of the troops of the newly emerging Arab umma of Islam added up to the crisis of the Sasanian Empire and hindered the Persians to take successful measures against the flooding. But as a matter of fact, the Arab invasion started in earnest only four years later in 632. More probably, it was a turning of tides in the war with Rome which impeded a more effective handling of the disaster. Since 622 AD, the Roman Emperor Heraclius (r. 610-641) had been able to perturb the not yet consolidated rule of the Persians over Eastern Anatolia and the Caucasus region in a series of audacious campaigns. In Armenia and Georgia, he found valuable new clients. Furthermore, the Emperor allied himself with the Khanate of Western Turks, who controlled the Steppes to the north of the Caucasus and Iran in Central Asia. In 627, Turkish horsemen devastated the border provinces of the ancient Sasanian realm while Heraclius defeated a Persian army at Niniveh in Northern Iraq and marched towards the residence of Khusro II in Dastagird near the capital of Ctesiphon (near modern-day Baghdad), to which the Great King had to flee.

Fig: Late Antique Mesopotamia and the approx. area affected by the flood of 628 AD to the south of Wāsit; places in brackets were founded later under Arab rule  (map: J. Preiser-Kapeller, 2016).

In this most critical situation, disaster struck. The short and long term impacts of the flood of 628 AD are described in the work of the Persian geographer Ibn Rusta of the 10th century: “The river cut through the earth until it started flowing past Wāsit and its waters flowed into al-Batā´ih [the marshes]. At that time [before the flood], al-Batā´ih were cultivated lands that continued without interruption up to the land of the Arabs (…) and (…) up to the land of Maisān. The water took possession of the low-lying areas, and the higher areas became islands. These places are known to this day in al-Batā´ih (…). Ruins are still visible under water in the al-Batā´ih depression, because the water is motionless and clear; this demonstrates the area used to be [solid] land. And the original marshes in which the Tigris water gathered, before it shifted to the area of Wāsit, were in Jūhā, in the area between al-Madār and Abdasī; when the Tigris shifted, the water was cut off from these marshes, and they became desolate deserts. Whoever passes through them in summer, suffers fierce sand storms.” (transl. Verkinderen 2015, 54).

Fig.: A street in Baghdad after a flood in October 2015.

The disaster thus affected the region not only on a short term basis, but permanently and significantly modified the landscape; a vast area to the south of the town of Wāsit became known as al-Batā´ih (the marshes) for centuries. Wide areas of cultivated land were lost, settlements disappeared and people had to leave their homes. In his magisterial new study on the waterways of Iran and Iraq in the early Islamic period, Peter Verkinderen describes the hydrological background to this catastrophe: “(…) both Tigris and Euphrates breached their banks at numerous places in 628. (…) Like the Euphrates – and many other meandering rivers – the Tigris regularly breached its bank in its lower reaches, and over the course of centuries created levees, raised riverbeds that rise up to several metres above the plain. A breach (or crevasse) occurs when part of this raised bank of the river collapses, usually during high water periods. The force of the water rapidly widens the gap, but because the river is located above the level of the surrounding plain, the water also starts to erode the levee in a vertical direction, cutting a channel through the sides of the levee that is lower than the original riverbed; at worst, the river can abandon its bed entirely (avulsion). The results of such a breach are dramatic: it becomes next to impossible to make the river return to its former – raised – bed, and the river inundates a large area at the side of the levee where the breach occurred; depressions can be turned into lakes or marches. (…) Moreover, the levee of the former bed becomes a dike that prevents the water from reaching the area at the other side of the levee. In a worst-case scenario, a breach permanently inundates the fertile areas one side of the levee, and entirely deprives the area on the other side of the levee from water. This appears to be exactly what happened with the Tigris.” (Verkinderen 2015, 54).

Fig.: The marshes in the delta region of Euphrates and Tigris today

The hydrological causes for this disaster can be found in the climatic conditions of the “Late Antique Little Ice Age“ as recently identified by Ulf Büntgen and his colleagues: various sources document a series of extremely cold and snow-rich winters in the regions of the waterheads of Euphrates and Tigris and their tributaries in Eastern Anatolia, Armenia and the Zagros mountains in the years 623 to 628 AD (cf. for instance Telelis 2004; Haldon 2014). While these harsh weather conditions allowed the Roman army to outmanoeuvre their Persian foes in the Transcaucasian areas, the abundance of melt water resulted in the catastrophic floods of the Euphrates and the Tigris. But as Peter Christensen has outlined in his now classic volume on the “Decline of Iranshahr” (1993), disaster in 627/628 AD struck the Persian provinces at the same time also as another wave of the so-called Justinianic plague, which time and again reduced populations across the Mediterranean and the Near East since the 540s (the reign of Emperor Justinian I). The losses of populations due to the epidemic and of productive land due to the flood further destabilised the Sasanian polity already on the verge of defeat from the hand of the Romans; according to the estimates of Christensen, the area of Iraq contributed 50 % of the Empire´s revenues – and half of these may have been lost due to the deluge of 628 AD.

Fig: The trajectories of temperature and the series of political upheavals in the “Late Antique Little Ice Age” between 536 and 660 AD as reconstructed by Büntgen et al. 2016

 

The most prominent victim of this combination of military and natural disasters became Great King Khusro II himself: in February 628, he was deposed by leading members of the aristocracy and later killed in prison. He was replaced by his son Kavadh II Siroe, who was able to negotiate peace with Emperor Heraclius, but died under unclear circumstances already in September 628. The regime now ran out of the rudder: in the following four years, not less than seven kings and queens succeeded to the Sasanian throne before Yazdegerd III (r. 632-651) established a longer lasting rule again. But he was the last of the Persian Great Kings and lost his crumbling empire to the Arabs, who first conquered Iraq and then entire Iran.

The Sasanian Empire had come to an end after more than 400 years. The flood of 628 AD of course was not the sole trigger of its demise. Already the rule of Khusro II in 590 AD had started with civil war and internal unrest; as Parvaneh Pourshariati has demonstrated in her monograph of 2008, the socio-political framework of Sasanian power as such was less centralised and stable as hitherto assumed. But the series of climate-induced disasters (weather extremes, epidemics and flood) together with the devastating war with the Romans and later the Arabs in the 620s-640s definitely tested the Persia´s resilience beyond its limits (as they almost did also for the Eastern Roman Empire). The Sasanian Empire thus may be added to the “victims” of the “Late Antique Little Ice Age”.

Selected Bibliography:

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U. Büntgen et al., Cooling and societal change during the Late Antique Little Ice Age from 536 to around 660 AD, Nature Geoscience, published online 8 February 2016: https://dx.doi.org/10.1038/ngeo2652 (with supplementary material)

P. Christensen, The Decline of Iranshahr: Irrigation and Environments in the History of the Middle East, 500 B.C. to A.D.1500, Copenhagen 1993.

M. Djamali et al., A late Holocene pollen record from Lake Almalou in NW Iran: evidence for changing land-use in relation to some historical events during the last 3700 years, Journal of Archaeological Science 36 (2009) 1363–1375.

J. F. Haldon et al., The Climate and Environment of Byzantine Anatolia: Integrating Science, History, and Archaeology, Journal of Interdisciplinary History 45,2 (2014) 113–161.

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L. K. Little (ed.), Plague and the End of Antiquity: The Pandemic of 541–750, Cambridge 2006.

J. Luterbacher et al., A Review of 2000 Years of Paleoclimatic Evidence in the Mediterranean, in: The Climate of the Mediterranean region: from the past to the future, ed. P. Lionello, Amsterdam 2012, 87–185.

M. McCormick u. a., Climate Change during and after the Roman Empire: Reconstructing the Past from Scientific and Historical Evidence, Journal of Interdisciplinary History 43, 2 (2012), 169–220.

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W. Nützel, Einführung in die Geo-Archäologie des Vorderen Orients, Wiesbaden 2004.

P. Pourshariati, Decline and Fall of the Sasanian Empire. The Sasanian-Parthian Confederacy and the Arab Conquest of Iran, New York 2008.

J. Preiser-Kapeller, A Collapse of the Eastern Mediterranean? New results and theories on the interplay between climate and societies in Byzantium and the Near East, ca. 1000–1200 AD, Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik 65 (2015) 195-242.

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I. G. Telelis, Meteorologika phainomena kai klima sto Byzantio, 2 Vol.s, Athens 2004.

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P.-L. Viollet, Water Engineering in Ancient Civilizations. 5,000 Years of History, Boca Raton 2007.

J. Wiesehöfer, Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., Zürich 1993.

 

 

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Exploring the spatial network of Late Byzantine history

An interactive map of 336 localities connected through the mobility of 2402 members of the Byzantine elite in the years 1282 to 1402

https://www.google.com/maps/d/edit?mid=zFF_0-ggg3xI.kzPtUQfs7H8s&usp=sharing

I have created a database of more than 2400 individuals and 330 places (on the basis of the Prosopographisches Lexikon der Palaiologenzeit, augmented with additional data) and a network model of these places connected due to the mobility of people in the years 1282 to 1402 CE. You can now explore this network online if you follow the link above. One can also only look at the distribution of places by unselecting the network layer. More sophisticated interactive visualisations of the data are under construction, but this site provides a first impression of the density and amount of connections of Late Byzantium.

More information on the underlying database you can find here: https://www.academia.edu/8247283/A_new_view_on_a_century_of_Byzantine_history_The_Vienna_Network_Model_of_the_Byzantine_Elite_1282-1402

The database is part of the project "Mapping Medieval Conflicts" (https://oeaw.academia.edu/MappingMedievalConflict)

More on this project and the underlying methodology you can also learn here: https://www.academia.edu/19333312/Calculating_the_Middle_Ages_The_project_Complexities_and_networks_in_the_Medieval_Mediterranean_and_Near_East_COMMED_

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The Seshat: Global History Databank-Project

A team of scholars from around the world, from fields as diverse as evolutionary biology, psychology, and archaeology, is working on a project that's concentrating huge volumes of data on social complexity, warfare, ritual, religion, resources, politics, and economics all into one place.

The Databank systematically collects what is currently known about the social and political organization of human societies and how civilizations have evolved over time; https://evolution-institute.org/project/seshat/

This massive collection of historical information allows  to rigorously test different hypotheses about the rise and fall of large-scale societies across the globe and human history. Working with a large international and interdisciplinary team, our database offers the means to study the past through well-established scientific techniques.

The founding editor and overall coordinator of Seshat is Professor Peter Turchin (UConn), an evolutionary biologist and theoretician of human history (Cliodynamics; https://peterturchin.com/); currently, Prof. Turchin is guest of the University of Vienna for the conference "The Haves and the Have-Nots: Exploring the Global History of Wealth and Income Inequality" (https://altegeschichte.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/inst_alt_ges_altertum_papyr/Veranstaltungen/Einladung_the_haves_and_the_have_nots_web.pdf).

Seshat and Prof. Turchin are also cooperating with Johannes Preiser-Kapeller, who is responsible for the data on Byzantium for the Seshat-project and himself is executing several projects on complexity theory, network analysis and history (https://oeaw.academia.edu/JohannesPreiserKapeller).

You can also learn more about this project by watching this video:

www.youtube.com/watch?v=T1l5Mr2xEPg

 

 

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