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Frankenstein und ein Vulkan (1816)

Wie Mary Shelley das „Jahr ohne Sommer“ erlebte

(Der Text diente als Grundlage eines Beitrags für die Sendereihe „Betrifft: Geschichte“ auf Radio Ö1, gestaltet zusammen mit Hanna Ronzheimer und ausgestrahlt am 27. 8. 2021: https://oe1.orf.at/programm/20210827/649349/Auf-den-historischen-Spuren-des-Klimawandels)

In der Einleitung zu ihrem Roman „Frankenstein“ berichtet die Verfasserin Mary Shelley über die Umstände der Entstehung dieser weltberühmten Geschichte: „Im Sommer 1816 besuchten (mein Mann und ich) die Schweiz und wurden Nachbarn von Lord Byron. Zuerst verbrachten wir unsere Mußestunden auf dem (Genfer) See oder auf Spaziergänge an seinem Ufer. (…) Aber der Sommer stellte sich als nass und unfreundlich heraus, und unablässiger Regen fesselte uns oft tagelang ans Haus. Einige vom Deutschen in Französische übersetzte Bände Gespenstergeschichten fielen uns in die Hände. (…) „Wir wollen alle eine Gespenstergeschichte schreiben“, sagte Lord Byron, und sein Vorschlag wurde angenommen.“ In ihrem Tagebuch liefert Mary Shelley weitere Beschreibungen der damaligen Witterung: „Die Gewitterstürme, die uns heimsuchen, sind grandioser und furchterregender, als ich es jemals erlebt habe. Wir sehen, wie sie von der anderen Seite des Sees herannahen, beobachten die Blitze, die in verschiedenen Himmelsregionen zwischen den Wolken tanzen und in den zerklüfteten Formationen auf den bewaldeten Anhöhen des Jura einschlagen, verdunkelt von den drohend schwebenden Wolken.“ Damals, so behauptete Mary Shelley zumindest später, entstand ihre Idee für den „Frankenstein“.

Abb. 1 Die Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851) und die 1831er Ausgabe des von ihr zuerst 1818 veröffentlichten Romans „Frankenstein or The Modern Prometheus“ (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mary_Wollstonecraft_Shelley_Rothwell.tif bzw. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frankenstein.1831.inside-cover.jpg)

Die extreme Witterung des Sommers 1816 war für die wohlhabenden Touristen aus England nur eine Trübung ihres Ferienvergnügens. Millionen Menschen weltweit brachte sie aber bitterste Not und Elend. Ausgelöst hatte diese globale Krise mehr als ein Jahr zuvor im April 1815 der gewaltige Ausbruch des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien. Schon in den Jahren zuvor waren mehrere Vulkane in der Region ausgebrochen. Die Eruption des Tambora erreichte aber das Hundertfache der Gewalt dieser früheren Ereignisse und immer noch das Zehnfache des berühmten Ausbruchs des Krakatau 1883. Von der ursprünglichen Höhe des Tambora von 4200 Meter wurden fast 1400 Meter weggesprengt und ca. 150 Kubikkilometer an vulkanischem Material ausgestoßen. Die Eruptionssäule des Tambora erreichte mit einer Höhe von mehr als 25 Kilometern die oberen Schichten der Atmosphäre; das ausgeworfene Material verbreitete sich dort in den folgenden Monaten auf dem gesamten Globus und erzeugte verschiedene Himmelserscheinungen.

Abb. 2 Die Lage des Vulkans Tambora im heutigen Indonesien und die Ascheniederschläge während des Ausbruchs 1815 (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Tambora#/media/Datei:1815_tambora_explosion_B.png)

Noch mehrere Jahre konnte man ungewöhnliche Farben bei Sonnenuntergängen beobachten, die durch die vulkanischen Staubteilchen hervorgerufen wurden. Fatal waren jedoch die klimatischen Folgen der Veränderung der Atmosphäre; 1816 wurde zu einem „Jahr ohne Sommer“, in dem man unerwartete Kälteeinbrüche und langanhaltende Dauerregen in vielen Regionen Nordamerikas und Europas verzeichnete. Dort hatte man gerade die Napoleonischen Kriege hinter sich gebracht und auf friedlichere Zeiten gehofft. Diese Extremereignisse verminderten die Ernten verschiedener Feldfrüchte oder vernichteten sie zur Gänze. Mangel und Verteuerung der Lebensmittel, Hungersnot und Verelendung weiter Bevölkerungsgruppen waren die Folge. Die Staaten Europas waren – nach Jahren der Kriegsführung – nur ungenügend auf die Katastrophe vorbereitet. Zwar versuchte man durch Ausfuhrverbote, Preisregelungen und Maßnahmen gegen Spekulanten und Wucherer den Mangel an Nahrung zu mindern; jedoch waren die staatlichen Autoritäten mindestens ebenso an der Eindämmung potentiell revolutionärer Unruhen interessiert und gingen gegen die wachsende Zahl der Bettler und Landstreicher vor. Entscheidend war also erneut nicht die Klima-Anomalie allein, sondern die Reaktion der verschiedenen Gesellschaften auf die damit einhergehende Krise, die deren Folgen dämpfte oder verschärfte.

Abb. 3: Vergleich der Sommertemperaturen von 1816 in Europa zum langjährigen Mittel 1971–2000 (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer#/media/Datei:1816_summer.png)

Der Vulkanausbruch des Tambora markierte einen weiteren Höhepunkt der seit dem 14. Jahrhundert anhaltenden Kleinen Eiszeit. Allerdings ging diese mit Anfang des 20. Jahrhunderts in eine moderne Warmzeit über. Nun stiegen die globalen Durchschnittstemperaturen an, ab dem späten 20. Jahrhundert in einem frühere Perioden des Klimawandels übertreffenden Ausmaß, das durch natürliche Klimafaktoren nicht mehr erklärbar ist. Größerer Vulkaneruptionen wie jene des Pinatubo auf den Philippinnen 1991 sorgten zwar kurzfristig für eine messbare Reduktion der Sonneneinstrahlung, verlangsamten aber den Temperaturanstieg nur wenig. Der wachsende Anteil von Treibhausgasen wie CO2 und Methan in der Atmosphäre ist auf Emissionen verschiedener menschlicher Aktivitäten zurückzuführen, insbesondere die Nutzung fossiler Brennstoffe wie Kohle und Erdöl. 1816, als Mary Shelley ihren Roman schrieb, gewann die Industrialisierung gerade an Fahrt. „Frankenstein“ verstand sie auch als Warnung vor den unerwarteten Gefahren moderner Wissenschaft und Technik. An einer Stelle warnt das Monster seinen Schöpfer: „Es liegt bei dir, ob ich die Nähe der Menschen für immer meide und ein harmloses Leben führe oder die Geißel deiner Mitmenschen werde und der Urheber deines eigenen rapiden Untergangs.“ Mit Schaudern blickt auch der Historiker auf die bereits spürbaren und möglichen künftigen Folgen des von der Menschheit selbst entfesselten Klimawandels.

Abb. 4: Globale Temperaturentwicklung (rot), atmosphärische CO2-Konzentration (blau) und Sonnenaktivität (gelb) seit dem Jahr 1850 (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Temp-sunspot-co2.svg)

 

Mehr zum Ausbruch des Tambora 1815 und dem „Jahr ohne Sommer“ (mit Literaturangaben) gibt es hier zu lesen: https://www.dasanderemittelalter.net/news/stille-nacht-und-der-vulkan-die-klimageschichte-eines-weihnachtsliedes/

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Wetterkapriolen, die Wissenschaft und der Schwarze Tod (1348)

Das Pestgutachten der Universität Paris

(Der Text diente als Grundlage eines Beitrags für die Sendereihe „Betrifft: Geschichte“ auf Radio Ö1, gestaltet zusammen mit Hanna Ronzheimer und ausgestrahlt am 26. 8. 2021: https://oe1.orf.at/programm/20210826/649348/Auf-den-historischen-Spuren-des-Klimawandels)

Als sich im Jahr 1348 die verheerende Pestpandemie des später so genannten Schwarzen Todes vom Mittelmeer her im Königreich Frankreich ausbreitete, erwartete man auch von der Wissenschaft eine Antwort. Die damals in Europa führende medizinische Fakultät der Universität Paris wurde mit einem Gutachten zur Pest beauftragt. Allerdings zeigten sich die Gelehrten angesichts ihres geringen Wissens um die tatsächlichen Ursachen der Krankheit und mangels eines wirksamen Heilmittels sehr zurückhaltend; ihr Gutachten wagten sie nur als anonyme Schrift der Gesamtfakultät herauszugeben.

Anregungen entnahmen sie den Traktaten des Italieners Gentile de Foligno, der 1348 selbst an der Pest starb. Er folgte bei seinem Erklärungsversuch seit der Antike etablierten Traditionen und führte als eine Ursache der Seuche eine ungünstige Konstellation von Mars, Jupiter und Saturn am 20. März 1345 ins Treffen. Dieses buchstäbliche „Desaster“ im Sinn einer Unordnung der Sterne bewirkte, so da Foligno, eine Verbreitung „verdorbener Winde“ in der Atmosphäre, und „wird ein solcher Pesthauch (…) vom Menschen eingeatmet, sammeln sich giftige Dämpfe um Herz und Lunge, verdichten sich dort zu einer Giftmasse, die diese Organe infiziert, durch die ausgeatmete Luft aber auch Familienangehörige, Gesprächspartner und Nachbarn anstecken kann.“ Immerhin wird hier neben den Verunreinigungen in der Luft auch die Möglichkeit einer Ansteckung von Mensch zu Mensch beschrieben. Diese betraf aber im Fall der Pest nur die seltenere sekundäre Lungenpest, während der weitaus wichtigere Zusammenhang mit der Übertragung durch die Flöhe der Ratten (und wohl auch der Menschen) unerkannt blieb.

Abb. 1 Bestattung von Opfern der Pest 1348 in der Stadt Tournai im heutigen Belgien (Darstellung in « Chroniques et annales de Gilles le Muisit », abbé de Saint-Martin de Tournai, Bibliothèque royale de Belgique, MS 13076-77, f. 24v.; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Burying_Plague_Victims_of_Tournai.jpg)

Die Medizinische Fakultät von Paris erwog aber auch einen Zusammenhang mit den klimatischen Extremen der vorangehenden Jahre und schrieb: Seit einiger Zeit sind die Jahreszeiten nicht mehr in richtiger Weise aufeinander gefolgt. Der letzte Winter [1347/1348] war nicht so kalt wie er hätte sein sollen, mit viel Regen; der Frühling war windig und zuletzt nass. Der Sommer kam spät, war nicht so heiß wie er hätte sein sollen und extrem nass – das Wetter war von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde sehr wechselhaft. Die Luft war oft unruhig und dann immer wieder so, als würde es regnen, aber dann regnete es nicht. Auch der Herbst war sehr regnerisch und neblig.“

Abb. 2 Treffen von Gelehrten an der Universität Paris, Darstellung des 16. Jahrhunderts (BNF, Français 1537, fol. 27v; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Meeting_of_doctors_at_the_university_of_Paris.jpg)

Damit dürften die Pariser Mediziner – aber eher zufällig – sogar ins Schwarze getroffen haben. Tatsächlich erweisen neue Baumringdaten, dass die 1340er Jahre in Westeuropa oft ausgesprochen kalt und feucht ausfielen; laut einer aktuellen Temperaturrekonstruktion war der Sommer von 1346 der kälteste des gesamten 14. Jahrhunderts. Solche Witterungsextreme und damit einhergehende Missernten und Unterernährung schwächten die Widerstandskraft der danach von der Seuche betroffenen Bevölkerungen. Die entscheidenden klimatischen Beiträge für den Ausbruch der Pest spielten sich aber weiter entfernt von Westeuropa ab. Schon die Zeitgenossen des 14. Jahrhunderts hatten beobachtet, dass sich die Krankheit aus dem Inneren Eurasiens zu den Hafenstädten am Schwarzen Meer und von dort über die dichten Seehandelswege – dem Pendant zum heutigen globalen Flugverkehr – innerhalb der nächsten Monate im ganzen Mittelmeerraum verbreitet hatte. Wie schon bei der letzten Episode im Zusammenhang mit der Pest des 6. Jahrhunderts erwähnt, existierten und existieren im östlichen Zentralasien Naturpestherde, wo das Pestbakterium unter Nagetierpopulationen bzw. deren Flöhen endemisch ist. Neueste historische und paläogenetische Untersuchungen legen nahe, dass sich dort im 13. Jahrhundert neue, ansteckendere Varianten des Erregers entwickelten und schon Jahrzehnte vor dem Ausbruch des Schwarzen Todes vor allem mit Hilfe der mongolischen Eroberer aus dem Osten in den Westen Eurasiens verbreiteten – etwa zu den Nagetierpopulationen in den Steppen nördlich des Schwarzen Meers.

Abb. 3 Der Übergang von der „Mittelalterlichen Warmzeit“ zur „Kleinen Eiszeit“ im Spätmittelalter in verschiedenen Temperaturrekonstruktionen für die letzten 1000 Jahre (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1000_Jahr_Temperaturen-Vergleich.png, mit weiteren Angaben zum Hintergrund dieser Rekonstruktionen)

Dazu begann ab dem späten 13. Jahrhundert ein klimatischer Übergang von der sogenannten Mittelalterlichen Klima-Anomalie zur Kleinen Eiszeit, die mit einer gesteigerten Frequenz extremer Witterungen einherging, wie eben in den 1340er Jahren. Insbesondere ein rascher Wechsel von besonders feuchten zu sehr trockenen Bedingungen begünstigte die Ausbreitung des Pesterregers von wildlebenden Nagetieren auf solche, die in menschlichen Siedlungen leben, wie z. B. Ratten. Die neue Variante des Bakteriums war offenbar auch leichter durch den Menschenfloh übertragbar. Deshalb konnte sie umso mehr von der mit der Verflechtung Eurasiens im Zeichen des Pax Mongolica einhergehenden Steigerung der Mobilität zwischen den Weltregionen profitieren. Wiederkehrende Ausbrüche der Pest begleiteten im Mittelmeerraum auch den Rest der Kleinen Eiszeit, bis zu ihrem allmählichen Ende im 19. Jahrhundert, als auch die beginnende Mikrobiologie den Erreger erstmals eindeutig identifizierte.

Textgrundlage und weitere Literatur: Johannes Preiser-Kapeller, Der Lange Sommer und die Kleine Eiszeit. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt von 500 bis 1500 n. Chr. Wien 2021, 283-332.

 

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Die Verdunkelung der Sonne (536 n. Chr.)

Prokop und der Beginn der Spätantiken Kleinen Eiszeit

(Der Text diente als Grundlage eines Beitrags für die Sendereihe „Betrifft: Geschichte“ auf Radio Ö1, gestaltet zusammen mit Hanna Ronzheimer und ausgestrahlt am 25. 8. 2021: https://oe1.orf.at/programm/20210825/649347/Auf-den-historischen-Spuren-des-Klimawandels)   

Im Jahr 2017 veröffentlichte der US-amerikanische Historiker Kyle Harper ein Buch mit dem Titel „The Fate of Rome: Climate, Disease, and the End of an Empire“, das 2020 auch auf Deutsch erschien und zum Bestseller wurde – wohl nicht zuletzt, weil der darin behauptete Zusammenhang zwischen Klimawandel, Pandemien und dem Untergang des Römischen Reichs im Jahr des Coronavirus besonderes Interesse fand. Die beiden letzten Abschnitte seines Buches widmet Harper unter den eindrücklichen Kapiteltiteln „Die Weinpresse des Zorns“ und „Das Jüngste Gericht“ der Pestpandemie, die im 6. Jahrhundert n. Chr. im oströmischen Reich ausbrach, das ja im Gegensatz zum weströmischen Reich weiterbestand.

Tatsächlich konnte sich Harper bei solchen dramatischen Formulierungen mehr oder weniger darauf beschränken, zeitgenössische Beobachter des 6. Jahrhunderts zu zitieren. Sie berichten für das Jahr 536 von einer monatelangen Trübung der Atmosphäre, die die Einstrahlung der Sonne reduzierte. Rückblickend deutete der oströmische Gelehrte Prokop von Kaisareia diese atmosphärische Erscheinung als Beginn einer längeren Zeit der Katastrophen: „Und in diesem Jahr ereignete sich ein furchtbarstes Vorzeichen. Denn ohne Strahlen, wie der Mond, verlor die Sonne das ganze Jahr hindurch ihren Glanz. Sie sah aus, als ob sie größtenteils verschwunden sei, da ihr Funkeln nicht rein und wie gewohnt war. Seitdem sich dies ereignet hatte, ließen weder Krieg noch Seuche noch anderes, was Tod bringt, von den Menschen ab.

Abb. 1 Ein noch viel gewaltigerer Vulkanausbruch als jener des hier dargestellten Eyjafjallajökull auf Island, der 2010 den Flugverkehr in ganz Europa lahmlegte, verursachte den Staubschleier des Jahres 536 (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eyjafjallajokull-April-17.JPG)

Der „Staubschleier“ von 536 war ein globales Ereignis und wurde auf der Nordhalbkugel von Irland über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten bis China beobachtet. Die damit einhergehende Abkühlung reduzierte in vielen Regionen das Pflanzenwachstum, wie sich an Baumringen ablesen lässt. Über die Ursachen dieses Phänomens wurde in der modernen Forschung lange diskutiert, inklusive Spekulationen über Asteroiden- oder Kometeneinschläge. Nach einer 2015 publizierten Studie gilt aber nun eine heftige vulkanische Eruption auf der Nordhalbkugel um 535/536 als Auslöser, deren Wirkung durch eine weiteren großen Ausbruch im Jahr 540 verstärkt wurde. Wie im „Jahr ohne Sommer“ infolge des Vulkanausbruchs des Tambora in Indonesien 1815 verursachte der Ausstoß großer Mengen an Aerosolen in die Atmosphäre die von Prokop und anderen beobachteten Verfinsterungserscheinungen und weitreichende Witterungsanomalien. Darüber hinaus rekonstruierte man auf der Basis von Baumringen aus dem Alpenraum und dem russischen Altai, dass die Doppeleruption von 536/540 gemeinsam mit einer Verringerung der Sonnenaktivität das „Kippen“ der Klimaverhältnisse auf der Nordhalbkugel in eine dauerhaft kältere Periode beschleunigte, die von 536 bis 660 anhielt und nun als „Spätantike Kleine Eiszeit“ bezeichnet wird.

Abb. 2 Das Signal der Abkühlung des Jahres 536 und der folgenden Jahrzehnte in Baumringdaten aus den Alpen (blau) und des russischen Altai (rot) (aus: Ulf Büntgen u. a., Cooling and societal change during the Late Antique Little Ice Age from 536 to around 660 AD. Nature Geoscience 9 (2016), 231–236; https://doi.org/10.1038/ngeo2652)

Eine der vermuteten Folgen dieses Klimaumschwungs war eine Veränderung der Witterungsparameter in jenen Regionen Zentralasiens, in denen der Pesterreger unter Nagetier-Populationen endemisch war (und bis heute ist). Dies begünstigte die Ausbreitung des Bakteriums und seiner tierischen Wirte und letztlich sein Überspringen auf den Menschen. Über die Fernhandelsrouten verbreitete sich die Seuche in den Nahen Osten, den Mittelmeerraum und nach Europa, wo sie in Wellen über 200 Jahre bis Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte. Der Weg des Erregers aus dem Osten in den Westen Eurasiens lässt sich mittlerweile auch mit Hilfe von paläogenetischen Untersuchungen verfolgen, die selbst nach mehr als 1400 Jahren Spuren einer Variante des Bakteriums Yersinia pestis in den Skeletten von Opfern der Krankheit nachweisen konnten.

Abb. 3 Karte der möglichen Ursprungsregion und Verbreitungswege der Pestpandemie des 6. Jahrhunderts n. Chr. (Karte: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020)

Jedoch ist die genaue Zahl dieser Opfer umstritten. Kyle Harper geht, auch in Analogie zur besser dokumentierten Pestpandemie des Spätmittelalters (dem „Schwarzen Tod“), davon aus, dass durch die Pest ab 541 ein Drittel oder sogar die Hälfte der Bevölkerung des oströmischen Reiches starb. Demgegenüber versuchte eine Gruppe jüngerer Forscher um Lee Mordechai und Merle Eisenberg unter Verweis auf verschiedene quantitative Parameter zu belegen, dass die Seuche im 6. Jahrhundert nicht jene gewaltige Katastrophe war, die zeitgenössische Beobachter in ihren drastischen Schilderungen nahelegen.

Doch selbst wenn die Letalität der Seuche geringer war, als angenommen, dann sind auch die sozialen, ökonomischen und psychologischen Folgen der Verunsicherung der Menschen und der Störung des normalen Alltags zu berücksichtigen. Dies scheint angesichts der selbst in unserer modernen Gesellschaft mit dem weit weniger letalen Corona-Virus einhergehenden Verwerfungen umso mehr relevant – wenn man noch dazu bedenkt, dass die Menschen des 6. Jahrhunderts über Ursache und Verbreitungswege der Krankheit völlig im Unklaren waren. Umso eher entstanden im oströmischen Reich Verschwörungstheorien, die sich gegen damals ohnehin ausgegrenzte Randgruppen wie Heiden, Häretiker, Juden oder Homosexuelle richteten – ein Muster, dass sich danach bei vielen Pandemien, selbst heutzutage, wiederholen sollte.

Textgrundlage und weitere Literatur: Johannes Preiser-Kapeller, Der Lange Sommer und die Kleine Eiszeit. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt von 500 bis 1500 n. Chr. Wien 2021, 29-73.

 

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Theophrast und die gefrorenen Trauben (330 v. Chr.)

Gab es schon in der Antike einen menschengemachten Klimawandel?

(Der Text diente als Grundlage eines Beitrags für die Sendereihe „Betrifft: Geschichte“ auf Radio Ö1, gestaltet zusammen mit Hanna Ronzheimer und ausgestrahlt am 24. 8. 2021: https://oe1.orf.at/programm/20210824/649346/Auf-den-historischen-Spuren-des-Klimawandels)  

Dass die aktuelle, rasant voranschreitende globale Erwärmung zu einem überwiegenden Teil von menschlichen Aktivitäten verursacht wird, hat die Wissenschaft eindeutig erwiesen. Doch wie sieht es mit klimatischen Veränderungen vor dem Zeitalter der Industrialisierungen aus? Dass der Mensch schon damals zumindest auf lokaler Ebene einen Einfluss auf das Klima nehmen konnte, deutet um 330 v. Chr. der griechische Philosoph Theophrast, ein Schüler des Platon und Aristoteles, an. Er schreibt: „Im Land um die Stadt Larissa in Thessalien (einer Region in Mittelgriechenland) herum war früher, als es dort viel stehendes Wasser gab und die Ebene ein einziger See war, die Luft dicker und das Land wärmer. Nun aber, da man die Fläche entwässert hat und man das Wasser daran hindert, sich wieder zu sammeln, ist das Land kälter geworden, und es gibt häufiger Frost als früher. Als Beleg dafür mag dienen, dass es früher direkt in der Stadt und auch in ihrem Umland ausgezeichnete Ölbäume gab, während man jetzt nirgends welche sieht; und dass Weinreben früher nie Frost litten, dies heutzutage aber häufig geschieht.

Abb. 1 Karte der erwähnten Städte und Regionen im antiken Griechenland (erstellt mit GoogleEarth)

Eine Veränderung des Klimas beobachtet Theophrast auch für das nördlich benachbarte Makedonien, die er auf die Rodung von Wäldern zurückführt. Dort wurde, so beschreibt er, die Witterung allerdings wärmer, und Winterfroste blieben im Gegensatz zu Thessalien aus. Der deutsche Althistoriker Werner Tietz bemerkt dazu, dass Theophrast vermutlich in beiden Fällen richtiglag. Im bergigen Makedonien blies der Wind die Kälte nach den Rodungen aus den Niederungen, während derselbe Wind im ebenen Thessalien eine ohne Bäume weitgehend ungeschützte Landschaft vorfand und die früheren großen Wasserflächen auch nicht mehr zur Abmilderung des Frosts beitrugen.

Ein Grund für die Rodungen war neben der Gewinnung von Ackerland der Bedarf an Bauholz für die Handels- und Kriegsflotten der zahlreichen griechischen Staaten, die in einem ständigen Wettstreit miteinander lagen. Eine führende Stellung nahm dabei Athen ein, das mit 40 000 Einwohnern in der Stadt und weiteren 250 000 im Umland die größte Metropole der Ägäis war. Auch für Athen schildert Platon, der Lehrer des Theophrast, in seiner Schrift „Kritias“ eine dramatische Veränderung der Landschaft. Infolge der Abschwemmung des fruchtbaren Bodens, so schreibt er, sind „nur mehr die Knochen des erkrankten Körpers (…) vorhanden, (…). Früher waren die Talgründe (…) mit fetter Erde bedeckt, und die Berge bekränzten dichte Waldungen. (…) Auch trug der Boden viele andere, hohe Fruchtbäume und bot den Herden ergiebige Weide. Dem Boden gab das im Laufe des Jahres von Zeus entsandte Wasser Gedeihen, welches ihm nicht verloren ging, während es sich jetzt bei dem kahlen Boden in das Meer ergießt. Indem der Boden viel Erde besaß, in die er das Wasser aufnahm und es in einer schützenden Tonschicht verteilte, entließ er das von den Höhen eingesogene Wasser in die Talgründe und gewährte nach allen Seiten reichliche Bewässerung durch Flüsse und Quellen.

Abb. 2 Darstellung der griechischen Philosophen Platon und Theophrast auf einem Kupferstich des 17. Jahrhunderts (Quelle: J. v. Sandrart, Teutsche Academie, Nürnberg 1675–1679)

Ähnliche Prozesse wie jene, die Platon beschreibt und die zu verkarsteten, kahlen oder mit niedrigen Gebüschformationen bewachsenen Landschaftsformen führten, wurden für viele Regionen des Mittelmeerraums als Folge der antiken Übernutzung von Wäldern gedeutet. Jedoch erwiesen jüngere Untersuchungen große Unterschiede zwischen den mediterranen Regionen, von denen einige mehrere Phasen der Ent-, aber auch erneuten Bewaldung seit dem Beginn der landwirtschaftlichen Nutzung vor ca. 7000 Jahren erlebten. Der entscheidende Schritt zum jetzigen erodierten Zustand wurde oft erst mit dem demographischen und ökonomischen Wachstum des 19. und 20. Jahrhunderts gesetzt und kann nicht antikem Raubbau zugeschrieben werden. Die „Mega-City“ Athen mag aber auch schon damals ein Sonderfall besonders intensiver und weniger nachhaltiger Nutzung des Umlandes gewesen sein.

Abb. 3 Reste einer antiken Metallverhüttungsanlage im Laurion-Gebirge südöstlich von Athen; der dortige Silberbergbau trug mit seinem Holzbedarf zur Entwaldung Attikas bei (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ancient_metal_workshop_(KORDELLA).JPG?uselang=de)

Doch beeinflusste der Mensch das Klima auch jenseits der regionalen Ebene bereits vor der Industrialisierung? Diese These stellte zumindest 2003 der US-amerikanische Paläoklimatologe William F. Ruddiman auf. Er vermutete, dass schon mit der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht die Menschen zu einem vor 7000 Jahren beginnenden allmählichen Anstieg der Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan beitrugen. Dies hätte den seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10 000 Jahren einsetzenden wärmeren Klimatrend stabilisierte. Im Gegensatz zum gegenwärtigen, viel dramatischeren Anstieg von CO2 und Methan in der Atmosphäre, der auf die Folgen menschlicher Aktivitäten zurückgeführt wird, konnte ein solch viel früherer Zusammenhang aber bislang nicht erwiesen werden. Zweifelsohne steigerten Sesshaft-Werdung und Landwirtschaft jedoch die Verwundbarkeit menschlicher Gemeinschaften gegenüber klimatischen Schwankungen. Und die damit einhergehende Veränderung von Ökozonen und das engere Zusammenleben von Mensch und Tier begünstigten die Entstehung neuer Infektionskrankheiten. Dieser Konnex von menschlicher Expansion, Klimawandel und Pandemien begann tatsächlich schon vor 10 000 Jahren.

Textgrundlage und weitere Literatur: Johannes Preiser-Kapeller, Die erste Ernte und der große Hunger. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt bis 500 n. Chr. Wien 2021, 182-187.

 

 

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Die Klage über Ur und Sumer (2000 v. Chr.)

Zerstörten die Götter und das Klima das erste Weltreich der Geschichte?

(Der Text diente als Grundlage eines Beitrags für die Sendereihe „Betrifft: Geschichte“ auf Radio Ö1, gestaltet zusammen mit Hanna Ronzheimer und ausgestrahlt am 23. 8. 2021: https://oe1.orf.at/programm/20210823/648817/Auf-den-historischen-Spuren-des-Klimawandels)

(Der Gott) Enki hat den Lauf von Tigris und Euphrat verändert, sodass an den beiden Ufern der Flüsse nur schlechtes Unkraut wächst und niemand mehr auf den Straßen herumgeht. Die Stadt Ur und ihr dicht besiedeltes Umland sind zerstört und zu Ruinenhügeln geworden. Die Hacke berührt die fruchtbaren Felder nicht, keine Samen werden in den Boden gepflanzt. Die Lieder der Kuhhirten erklingen nicht mehr im offenen Land. Leichen trägt der Euphrat davon, Räuber durchstreifen die Straßen.“

Dieses Schreckensszenario, das einem postapokalyptischen Kinofilm entstammen könnte, entstand vor mehr als 4000 Jahren im Land Sumer im Süden des heutigen Irak. Es beklagt den Untergang der Stadt Ur, das als Herkunftsort des Abraham auch in die Bibel Eingang gefunden hat. Ungefähr ab 2100 v. Chr. gelang es den Königen von Ur die zahlreichen Stadtstaaten des südlichen Mesopotamien für drei Generationen unter ihrer Oberherrschaft in einem Reich zu vereinigen. Sie inszenierten sich dabei auch als Nachfolger der Könige von Akkad, die ab ca. 2350 v. Chr., beginnend mit dem berühmten Eroberer Sargon, überhaupt zum ersten Mal ein solches Großreich im Zweistromland begründet hatten. Allerdings war auch das Imperium von Akkad nach gerade einmal 150 Jahren um 2200 v. Chr. wieder zerfallen.

Abb. 1 Karte von Mesopotamien mit den heutigen Staatsgrenzen (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N-Mesopotamia_and_Syria_german.svg)

Der relativ rasche Zusammenbruch der Großreiche von Akkad und von Ur lag darin begründet, dass ihre Kontrolle über die anderen Stadtstaaten fragil blieb und durch ständige Feldzüge gesichert werden musste. Zu diesen wiederkehrenden Rebellionen im inneren kamen Angriffe von außen durch Gruppen aus den angrenzenden Gebirgen des Iran und aus den Steppen- und Wüstengebieten Arabiens. Unter letzteren nahmen die Amurriter eine wichtige Stellung ein; ihr Name bedeutet so viel wie die „Söhne des Westwinds“. Bei den Konflikten mit ihnen spielte der Zugang zu Wasser eine Rolle. So schrieb Schulgi, der zweite König von Ur, dass er zwischen Euphrat und Tigris eine Reihe von Mauern errichten ließ, „damit die Amurriter ihre Herden nicht an den Ufern (…) tränken können.

Abb. 2: Der unter den Königen von Ur ab 2100 v. Chr. errichtete Zikkurat (Tempelturm; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ancient_ziggurat_at_Ali_Air_Base_Iraq_2005.jpg)

Solche Nachrichten brachten gemeinsam mit der eingangs zitierten Klage über den Untergang Urs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur These, dass ein um 2200 v. Chr. zu datierender Klimawandel zum Zerfall der Großreiche Mesopotamiens beitrug. Tatsächlich weist eine wachsende Zahl naturwissenschaftlicher Daten von Nordamerika bis Ostasien darauf hin, dass um diese Zeit eine weltweite Änderung der klimatischen Bedingungen einsetzte. Ähnlich wie mit der kleinen Eiszeit im Spätmittelalter begann eine mehrere Jahrhunderte andauernde Periode, die im globalen Durchschnitt kältere Temperaturen brachte, aber sich regional unterschiedlich auswirkte. Für Mesopotamien ist vor allem ein Rückgang der Niederschlagsmengen zu beobachten.

Abb. 3 Der um 2200 v. Chr. einsetzende Klimawandel („4.2k-Event“) in Proxydaten (in diesem Fall Sauerstoffisotopen aus Seesedimenten) aus verschiedenen Regionen des Mittelmeerraums (aus: Monica Bini u. a., The 4.2 ka BP Event in the Mediterranean region: an overview. Climate of the Past 15 [2019] 555-577, https://doi.org/10.5194/cp-15-555-2019).

Ob und wie sehr allerdings dieser Klimawandel den Untergang der Imperien von Akkad und dann von Ur bewirkte, ist umstritten. In manchen Überblickswerken wie jenem des US-Historikers Daniel R. Headricks aus dem Jahr 2020 scheint der Zusammenhang klar; er schreibt: „Als sich die Umweltbedingungen verschlechterten, brach das Reich von Akkad (…) zusammen.“

Doch solchen vermeintlich eindeutigen Schlussfolgerungen stehen für Akkad schon die Probleme der Chronologie im Weg. So werden für die Regierungszeit des akkadischen Staatsgründers Sargon drei verschiedene Datierungen vorgeschlagen, und die gesamte Reichsgeschichte Akkads wandert zwischen dem 24. und 22. Jahrhundert v. Chr. hin und her. Die deutsche Altorientalistin Karen Radner schreibt deshalb richtig: „Die Trockenperiode (ab 2200 v. Chr.) könnte zwar zum Kollaps des Akkadreiches beigetragen haben, aber es wäre umgekehrt auch denkbar, dass durch eine Verschlechterung der landwirtschaftlichen Bedingungen in den nordmesopotamischen Regenfeldbaugebieten die dortigen politischen Gebilde geschwächt und solcherart die rasche Ausdehnung des Reiches von Akkad begünstigt wurde.“

Und beim nachfolgenden Reich von Ur war es die wachsende Abhängigkeit von den Lieferungen aus den Provinzen, die seine Hauptstadt für Störungen im imperialen Netzwerk verwundbar machten. Als unter dem letzten König Ibbi-Sin die üblichen Getreidelieferungen ausblieben, kam es zu einem fünfzehnfachen Anstieg des Kornpreises in Ur, wo eine Hungersnot und Unruhen ausbrachen. Dabei mögen die in der zitierten Klage über den Untergang der Stadt angedeuteten und dem Zorn der Götter zugeschriebenen naturräumlichen Veränderungen eine Rolle gespielt haben. Aber auch bei der Deutung dieses Textes ist Vorsicht angesagt; er wurde unter einem König der Stadt Isin verfasst, der sich nach dem Zusammenbruch Urs als neuer starker Mann etablieren wollte. Und seine Großtaten mussten umso glanzvoller erscheinen, je düsterer das Bild der vorangehenden Katastrophe gemalt wurde.

Eine einfache Gleichung zwischen Klimaverschlechterung und dem Zusammenbruch einer politischen Ordnung lässt sich somit nicht aufstellen; viel zu komplex sind dafür sowohl die Wechselwirkungen zwischen Natur und menschlichen Gemeinschaften als auch die Verflechtungen zwischen Wahrnehmung und Reaktion innerhalb einer Gesellschaft.

Textgrundlage und weitere Literatur: Johannes Preiser-Kapeller, Die erste Ernte und der große Hunger. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt bis 500 n. Chr. Wien 2021, 120-125.

 

 

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Kein Kaiserwetter für Karl den Großen

Wie Schlechtwetter, Hungersnöte und Seuchen Westeuropa unter Kaiser Karl und seinen Nachfolgern im 9. Jahrhundert zu schaffen machten

Ein Auszug aus: Johannes Preiser-Kapeller, Der Lange Sommer und die Kleine Eiszeit. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt von 500 bis 1500 n. Chr. Wien: Mandelbaum Verlag, März 2021. 440 Seiten, ISBN: 978385476-889-0

Der Frankenkönig Karl (reg. 768–814), der ursprünglich gemäß fränkischer Erbgepflogenheiten die Herrschaft mit seinem bereits 771 verstorbenen Bruder Karlmann geteilt hatte, begann eine gewaltsame Expansionspolitik an allen Grenzen des Reiches. Insbesondere gegen die nach wie vor ‚heidnischen‛ Sachsen im Gebiet zwischen Rhein und Elbe wurden zwischen 772 und 804 mehrere blutige Feldzüge mit nicht weniger Grausamkeit geführt, als sie später die Wikinger an den Tag legten (782 etwa soll Karl die Hinrichtung von 4500 gefangenen Sachsen befohlen haben). Offizielles Ziel dieser Kriege war die Christianisierung dieser Gebiete, doch nutzten sie Karl und sein Gefolge an mächtigen Adeligen zur Gewinnung von neuen Territorien und von Beute, unter anderem in Form von Sklaven (Nichtchristen durften weiterhin versklavt werden), die etwa über den Markplatz Verdun, wo auch Kastrationsspezialisten besonders nachgefragte Eunuchen ‚produzierten‛, in das arabisch beherrschte Spanien und darüber hinaus in die ganze islamischen Welt verkauft wurden. Zwischen 788 und 796 unterwarf Karl in ähnlicher Weise die Reste des Awarenreichs in Pannonien. Die Eroberung des Langobardenreichs in Italien 773/774 war wiederum die Grundlage für die Krönung Karls zum Kaiser der Römer durch den Papst am 25. Dezember des Jahres 800, 324 Jahre nach der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers.

Die Expansion des Frankenreichs unter Karl dem Großen (reg. 768-814)

Schon davor versuchte Karl, dem Vorbild der spätrömischen Kaiser nachzueifern und sein Reich auf einer christlichen Grundlage neu zu ordnen. Anlass dafür boten auch durch Witterungsextreme ausgelöste Missernten und Hungersnöte, die mit der beginnenden Übergangsphase zwischen der spätantiken Kaltzeit und der Mittelalterlichen Klima-Anomalie ab dem späten 8. Jahrhundert und im 9. Jahrhundert wieder mit höherer Frequenz auftraten, so z. B. zwischen 792 und 794. Reinhold Kaiser bemerkt dazu:

„Auf die erste große Hungersnot von 792/793 hatte Karl der Große reagiert, indem er [auf der Synode von Frankfurt 794] Höchstpreise für Brot und Getreide festlegte [wobei Weizen und das daraus hergestellte Brot am teuersten waren, gefolgt von Roggen, Gerste und Hafer], neue Maße, Gewichten und Münzen einführte sowie den Bischofskirchen und Klöstern Gebetsleistungen und dazu wie auch den weltlichen Großen (Grafen, Vasallen) je nach Besitz gestaffelte Abgaben (Almosen) für die Armen und deren Nahrungsunterhalt auferlegte. Diese allgemeinen wirtschaftspolitischen Maßnahmen gehören zu den ganz wenigen, die aus der Zeit des frühen Mittelalters bekannt sind. Mit seinem Versuch der Preisfestsetzung scheiterte Karl, wie zur ihrer Zeit Diocletian und Konstantin mit ihrem Höchstpreisedikt gescheitert waren.“

Die ‚imperiale Ökologie‛ des Reichs Karls unterschied sich aber deutlich von jener des Imperium Romanum; es gab kein fixes Zentrum (Rom diente als Sitz des Papstes, aber nicht des Kaisers), dessen urbaner Metabolismus für die Stabilität des Regimes entscheidend gewesen wäre. Im Gegensatz zog der Herrscher durch das Land, wo ihm einzelne ‚Pfalzen‛ (wie Aachen) als Stützpunkte dienten. Dieser ständige Residenzwechsel erleichterte nicht nur die Versorgung des Kaisers und seines Gefolges, obgleich diese dennoch eine große Last für das jeweilige Umland darstellen konnte; mangels eines mit der spätrömischen Bürokratie vergleichbaren Apparats wurde Herrschaft in den einzelnen Reichsteilen vor allem durch die zeitweilige Präsenz des Monarchen in der Begegnung mit den jeweils regional Mächtigen ausgeübt und sichtbar gemacht. Dies änderte sich auch in den Nachfolgereichen des Karolinger-Imperiums nicht.

Rekonstruktion von Palast und Kirche in Aachen, der Lieblingspfalz Karls des Großen

Der französische Mittelalterforscher Jean-Pierre Devroey widmete der Umwelt- und Klimageschichte der Herrschaft Karls des Großen 2019 eine umfassende Studie und beleuchtete die Motivation und Erfolge und Misserfolge des Kaisers im Angesicht von Witterungsextremen und Not. Zu den Misserfolgen zählte die Anlage eines Kanals zwischen den Flüssen Altmühl und Rezat (in Mittelfranken), der die Flusssysteme der Donau und des Rheins miteinander verbinden und somit das neue größere Reich stärker vernetzen sollte. Jüngst wurde auch die Vermutung geäußert, dass ein erhofftes Ergebnis die Erleichterung des Transports von Nahrungsmitteln in an Mangel leidende Regionen war; andere Quellen legen einen Zusammenhang mit den Vorbereitungen für einen Feldzug gegen die Awaren an der mittleren Donau nahe. In den dem fränkischen Gelehrten Einhard (ca. 770–840) zugeschriebenen Annalen heißt es jedenfalls zum Jahr 793:

„Der König wurde von selbsternannten Experten überzeugt, dass man am bequemsten von der Donau in den Rhein fahren könne, wenn zwischen den Flüssen Regnitz und Altmühl ein schiffbarer Kanal gebaut würde, da einer dieser Flüsse in die Donau und der andere in den Main mündet. Also ging er sofort mit seiner ganzen Gefolgschaft zu dem Ort, sammelte eine große Anzahl der Menschen, und verwandte den ganzen Herbst für dieses Projekt. Zwischen diesen beiden Flüssen wurde ein Graben gegraben, der zweitausend Schritte lang und dreihundert Fuß breit war. Aber es war vergebens; denn wegen des anhaltenden Regens und weil der sumpfige Boden zu viel Wasser enthielt, hielt die geleistete Arbeit nicht stand.“

Geoarchäologische Untersuchungen haben mittlerweile diese Angaben und auch die Datierung der Quellen bestätigt; der Kanal wurde, wohl nicht nur vor dem Hintergrund der lokalen Witterung, sondern der allgemeinen Notlage im Reich um diese Zeit, nie vollendet.

Spätere Darstellung der Bauarbeiten am „Karlsgraben“, der die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau überwinden sollte, aber wegen Schlechtwetters und Hungersnot im Frankenreich nie vollendet wurde

Dennoch intensivierte sich die Verflechtung zwischen den verschiedenen Regionen des Reiches Karls, auch aufgrund der ständigen Mobilität seiner Armeen, seines Gefolges und anderer Vertreter von Adel und Kirche, deren Besitzungen über mehrere Landstriche verstreut waren. Dadurch erhöhte sich jedoch auch die Gefahr einer Verbreitung von Krankheitserregern. In den Jahren zwischen 805 und 810 wird, meist in Zusammenhang mit Schlechtwetter, Missernten und Hunger, von Epidemien unter Menschen, aber vor allem auch unter Pferden und Rindern berichtet. Diese Tierseuchen mögen sowohl durch die Feldzüge der Kavallerie Karls als auch den damals schon bestehenden Handel mit Vieh über weitere Distanzen verbreitet worden sein, wie insbesondere der Umwelthistoriker Timothy Newfield untersuchte. Eine besonders schlimme Viehsuche verbreitete sich 809/810 vom Osten des Reiches (den Quellen nach aus „Noricum“, also dem heutigen Österreich) her, vielleicht ursprünglich aus dem zerfallenden Awarenreich im Karpatenbecken kommend, „in allen Provinzen, die dem Kaiser unterstanden“.

Sogenannte Reiterstatuette Karls des Großen aus dem 9. Jahrhundert; der Herrscher und sein Gefolge waren ständig „auf Achse“, doch trug diese Mobilität von Mensch und Tier auch zur Verbreitung von Seuchen bei

Ob auch der Tod des Karl einige Jahr zuvor von Kalif Hārūn ar-Raschīd aus Bagdad übermittelten Elefanten namens Abul Abaz damit in Zusammenhang steht, ist unklar (dem exotischen Tier mag insgesamt die Witterung nördlich der Alpen nicht bekommen haben). Um von Gott die Beendigung der Seuche, die durch den Tod der Zugtiere (vor allem Ochsen) auch den Ackerbau schädigte, zu erflehen, ordnete Karl der Große ein reichsweites dreitägiges Fasten an. Angesichts der Not neigten die Menschen jedoch auch zu Verschwörungsspekulationen und schrieben die Schuld dem Feind von außen zu, den sie in Gestalt ‚verdächtiger‛ Personen zur Strecke bringen wollten, wie der gelehrte Erzbischof Agobard von Lyon (769–840) mit einiger Entrüstung und dem Versuch, vernünftige Gegenargumente vorzubringen, beschreibt:

„Vor ein paar Jahren verbreitete sich eine gewisse dumme Geschichte. Da es zu dieser Zeit eine Sterblichkeit unter den Rindern gab, sagten die Leute, dass [der mit den Franken im Krieg stehende] Herzog Grimoald [IV.] von Benevent [in Süditalien] Menschen mit einem Staub geschickt hatte, den sie auf den Feldern und Bergen, Wiesen und Flüssen verteilen sollten, und dass es wegen des Staubes war, den sie verbreiteten, dass das Vieh starb. Er tat dies [sagten sie], weil er ein Feind unseres christlichsten Kaisers Karl war. Aus diesem Grund haben wir gehört und gesehen, dass viele Menschen gefangen genommen und einige getötet wurden. Die meisten von ihnen wurden mit angebrachten Plaketten in den Fluss geworfen und ertranken. Und was wirklich bemerkenswert ist, die Gefangenen gaben [teilweise unter der Folter] Zeugnis gegen sich selbst und gaben zu, dass sie solchen Staub hatten und ihn verbreitet hatten. (…) Diese Geschichte wurde so weit verbreitet und geglaubt, dass es nur sehr wenige gab, denen sie absurd erschien. Sie überlegten nicht vernünftig, wie solcher Staub hergestellt werden könnte, wie er nur Rinder und keine anderen Tiere töten könnte, wie er von Menschen über ein so großes Gebiet getragen und verbreitet werden könnte. Sie überlegten auch nicht, ob es genug (…) Männer und Frauen aus Benevent gab, um in mit Staub beladenen Karren aus ihrer Region herum zu fahren. Das ist die große Dummheit, die die elende Welt unterdrückt (…)“

Agobard wandte sich auch gegen die während der vermehrten Zahl an Naturkatastrophen im 9. Jahrhundert aufkommende Ansicht, Hexen und Zauberer könnten durch dunkle Magie Unwetter und andere Witterungsereignisse herbeiführen; zu voller ‚Blüte‛ sollte dieser Aberglaube mit fatalen Folgen dann auf dem Höhepunkt der Kleinen Eiszeit ab dem 15. Jahrhundert gelangen.

Durchschnittliche Sommertemperaturen in Europa auf der Grundlage von Baumringen, 700-900 (Rekonstruktion im Vergleich zum Durchschnitt 1961-1990 nach Luterbacher u. a. 2016; rot: 10jähriger Durchschnitt)

Rekonstruierte Sommertrockenheit in Mitteleuropa, 700-1000 (Daten: Büntgen, U., Urban, O., Krusic, P.J. et al. Recent European drought extremes beyond Common Era background variability. Nat. Geosci. 2021; rot: 10jähriger  Durchschnitt)

Nach dem Tod Karls des Großen im Jahr 814 übernahm sein Sohn Ludwig, später genannt „der Fromme“, die Herrschaft. Ursprünglich hatte Karl gemäß den bereits erwähnten fränkischen Gepflogenheiten eine Aufteilung des Reichs unter seinen Söhnen geplant, doch überlebte ihn mit Ludwig nur ein Nachfolger. Der Zusammenhalt des karolingischen Imperiums hing also vom Zufall der Genealogie ab; umso mehr stritten Ludwigs Söhne aus verschiedenen Ehen schon zu seinen Lebzeiten um ihre Anteile an der Macht. Diese blutigen Kämpfe wurden von unheilverheißenden Himmelsphänomenen (wie ein Auftreten des im Mittel alle 75,3 Jahre wiederkehrenden Halley’schen Kometen im Jahr 837), Extremereignissen (wie einer verheerenden Sturmflut in Friesland im Jahr 839), Missernten und Hungersnöten begleitet. Zeitgenössische Chronisten deuteten sie den Traditionen einer ‚moralischen Meteorologie‛ gemäß als Zeichen des Unwillen Gottes über die Machtgier der Königssöhne und der sie jeweils unterstützenden Eliten („Es gibt unzählige Übel, durch die Gott sowohl beleidigt als auch das Reich der Christen gefährdet wird“). Ein typischer Eintrag in einer fränkischen Chronik dieser Zeit zum Jahr 820 lautet:

„In diesem Jahr ereigneten sich aufgrund des anhaltenden Regens und der übermäßigen Luftfeuchtigkeit große Katastrophen. Eine Pestilenz, die sowohl Männer als auch Ochsen betraf, tobte weit und breit, so dass kaum ein Teil des gesamten fränkischen Königreichs gegen diese Seuche immun oder von ihr unberührt gefunden werden konnte. Getreide und Hülsenfrüchte verfaulten in den anhaltenden Regenfällen oder konnten nicht geerntet werden oder verdarben, wenn sie gesammelt wurden. In diesem Jahr wurde wenig Wein produziert, und das Wenige war schlecht und sauer, da es nicht genug warmen Regen gab. An einigen Stellen lief das Wasser der über die Ufer getretenen Flüsse nicht aus den tiefer liegenden Gebieten ab, und diese Überschwemmung verhinderte die Aussaat im Herbst, so dass vor der warmen Frühlingszeit fast kein Getreide gesät wurde. Am 28. Januar gab es in der zweiten Stunde der Nacht eine Mondfinsternis.“

Spätmittelalterliche Darstellung der Bürgerkriege im Frankenreich zwischen 830 und 842

Tatsächlich weisen auch Proxydaten wie Baumringe aus den Alpen oder Sedimentdaten der Rhone auf eine höhere Frequenz von Naturkatastrophen und kältere und feuchtere Bedingungen hin. Zur selben Zeit wurden in der Übergangsphase zwischen spätantiker Kaltzeit und Mittelalterlicher Klima-Anomalie zwischen 820 und 850 mehrere Regionen Eurasiens von Witterungsextremen heimgesucht, vom Königreich Silla in Korea über das Reich der Uiguren in der mongolischen Steppe (das um 840 zusammenbrach) und das tibetanische Kaiserreich (das ab 842 zerfiel) bis zum Byzantinischen Reich.

Aber während daraus resultierende Notzeiten Karl dem Großen als Anlässe für die zumindest formelle und moralische Stärkung seiner Herrschaft dienten, verschärften sie nun vor allem die Not der unter den karolingischen Bruderkriegen leidenden Bevölkerung. Auch als die drei überlebenden Enkel Karls nach dem Tod ihres Vaters Ludwigs des Frommen das Reich 843 erstmals unter sich aufteilten (in ein westfränkisches, ostfränkisches und mittleres Reich, das aber bald in weitere Königreiche zerfiel), setzten sich die Kämpfe fort; Abt Regino von Prüm (ca. 840–915) klagte rückblickend, in diesen Kriegen „wurde die Streitmacht der Franken so geschwächt und ihr glorreiches Heldentum so zerstört, dass sie fortan nicht einmal zum Schutz des eigenen Landes ausreichten, geschweige denn zur Ausweitung der Grenzen des Reiches.“ Das Imperium Karls des Großen war zerbrochen.

Die Teilung des Frankenreichs unter den Enkeln Karls der Großen im Jahr 843

 

 

 

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Die Mongolen, ein Vulkan und König Ottokar

Klimawandel und politische Unruhen in Österreich im späten 13. Jahrhundert

Ein Auszug aus: Johannes Preiser-Kapeller, Der Lange Sommer und die Kleine Eiszeit. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt von 500 bis 1500 n. Chr. Wien: Mandelbaum Verlag Februar/März 2021. 400 Seiten, ISBN: 978385476-889-0

Zwischen 1250 und 1260 verfasste ein anonymer Dichter aus dem Herzogtum Österreich das Versepos „Biterolf und Dietleib“, dessen Inhalt an das Nibelungenlied anschließt; die namensgebenden Helden erhalten für ihre Taten vom Hunnenkönig Etzel (für den Attila als Vorbild diente) die Steiermark als Lehen. Dies dient als Anlass zu einem Loblied auf dieses Territorium:

Kein Land gibt bessere Gelegenheit zu Unterhaltung und Ritterspiel. Es gibt hier viele Wiesen und Wälder, die Gewässer haben genug Fische, kein Acker trug je besser Korn und Getreide. Wie könnte es uns besser gehen? Sieben Goldadern hat es. Es gibt kaum einen Berg, in dem man nicht Silber fände. Zu gutem Gewinn liegt das Land überall, zu Berg und zu Tal. Zahmes Wild und Beizvögel kann man hier viel haben. Salzquellen sind auch darin. (…) Es hat viele edle Ritter und viele edle Dienstleute. Zwischen der Elbe und dem Meer stehen nirgends bessere Plätze für Burgen.

Der Text klingt wie eine Bilanz der 200 vorangehenden Jahre der hochmittelalterlichen Wachstumsperiode, natürlich aus einer Perspektive des Hochadels, dem die Erträge aus Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau und Jagd vor allem zugutekamen. Allerdings war um diese Zeit in der Mitte des 13. Jahrhunderts die relative Stabilität der Herrschaft der Babenberger, die seit 1192 nicht nur in Österreich, sondern auch in der Steiermark regiert hatten, deutlich turbulenteren Zeiten gewichen. Dazu trug nicht zuletzt die Konfliktfreude des später zurecht mit diesem Beinamen bedachten Herzogs Friedrich II. „des Streitbaren“ (reg. 1230-1246) bei, der mehrfach mit seinen Nachbarn in Bayern, Böhmen und Ungarn im Krieg lag. Als nach Hochwässern 1234/1235 zudem 1235/1236 eine Hungersnot neben anderen Teilen Westeuropas Deutschland und Österreich heimsuchte, verbot Herzog Friedrich II., angeblich auf Ratschlag der Juden an seinem Hof (denen gleichsam stereotypisch „Wucher“ vorgeworfen wurde) den Export von Getreide in die Nachbarländer. Kurz danach forderte er sogar Kaiser Friedrich II. heraus, der 1236 dem Babenberger seine Herzogtümer entzog, bis es 1239 zu einer Einigung kam, der (unverwirklichte) Pläne für eine Erhebung der babenbergischen Länder zu einem Königtum folgten.

Umzeichnung des Siegels von Herzog Friedrich II. von Österreich und Steiermark (reg. 1230-1246)

Da erschütterte die Nachricht von den Invasionen und Verwüstungen der Mongolen in den russischen Fürstentümern Mitteleuropa; im Dezember 1240 zerstörten sie das alte Zentrum der Rus in Kiew und töteten fasst alle 30 000 Einwohner. Danach setzten sie ihren Vormarsch in Richtung Westen fort. In Erwartung des mongolischen Ansturms schloss König Bela IV. von Ungarn (reg. 1235-1270) mit Herzog Friedrich II. ein Bündnis; für seine Waffenhilfe ließ sich der Babenberger große Gebiete in Westungarn (im heutigen Burgenland) als Pfand übertragen. Tatsächlich zog Friedrich II. im März 1241 mit einen Truppen nach Ungarn und bestritt ein erfolgreiches Scharmützel mit einer Vorhut des Feindes, worauf er sich als „Mongolenheld“ feiern ließ. Als aber die Hauptmacht der Mongolen eintraf, hatte er sich bereits nach Österreich zurückgezogen. Die Ungarn wurden in der Schlacht von Muhi (nahe der berühmten Weinbaustadt Tokaj) am 11. April 1241 vernichtend geschlagen, und das Land schwer verwüstet. Nach verschiedenen Schätzungen fielen zehn bis 20 Prozent der damals vielleicht zwei Millionen Einwohner des Landes den Angriffen der Mongolen und der nachfolgenden Hungersnot zum Opfer. Das Unglück wurde rückblickend auch mit einer Sonnenfinsternis in diesem Jahr verknüpft. König Bela IV. floh zuerst nach Österreich und fand in Hainburg Aufnahme. Trotz seines frühzeitigen Abzugs hielt Herzog Friedrich II. seine hohen Forderungen für die Militärhilfe aufrecht, worauf hin Bela IV. in Richtung Kroatien weiterzog, dem Babenberger aber Rache schwor. Mongolische Streifscharen stießen bis in die Gegend von Wiener Neustadt vor; zum Glück für Österreich und Ungarn zogen die Mongolen jedoch im Folgejahr 1242 überraschend ab.

Die Vorstöße der Mongolen nach Mitteleuropa, 1240-1242

Der Grund für den mongolischen Rückzug gibt bis heute Rätsel auf. Gewöhnlich nimmt man an, dass die Nachricht vom Tod des Großkhans Ögedei, der nach seinem Vater Dschingis Khan die Herrschaft übernommen hatte und am 11. Dezember 1241 verstarb, eine Rolle spielte. Der Spezialist für die Steppenreiche Nicola di Cosmo und der Paläoklimatologe Ulf Büntgen stellten aber aufgrund von Niederschlagsrekonstruktionen 2016 die Vermutung auf, dass extrem feuchtes Wetter den Vormarsch der Mongolen durch das von Hochwasser führenden Flüssen durchzogene Karpatenbecken verzögert und auch die Versorgung ihrer enormen Anzahl an Pferden (im Durchschnitt fünf pro Krieger) und Truppen erschwert hätte. Hielt also – ähnlich wie der „Götterwind“ (Kamikaze) 1274 und 1281 die mongolische Flotte vor Japan – eine Witterungsanomalie die Mongolen von der Eroberung Mitteleuropas ab? Diese Hypothese blieb nicht unwidersprochen; der Historiker Zsolt Pinke und seine Kollegen hielten dagegen: „Die mongolische Armee kam am Ende einer schweren Dürre im ungarischen Königreich an, und wir legen empirische Beweise dafür vor, dass der reichliche Regen im Frühjahr 1242 ihre Aussichten auf ausreichende Nahrungsversorgung und Weideland nicht verschlechterte, sondern verbesserte. Das sumpfige Gelände der ungarischen Ebene hat den Rückzug der Mongolen wahrscheinlich nicht beschleunigt, da die Mongolen [der Goldenen Horde] letztendlich ihre Hauptkräfte um das sumpfige Wolgadelta ansiedelten.“  Büntgen und di Cosmo erwiderten, dass die von Pinke und seinem Team vorgelegten Vergleichsdaten für den günstigen Einflusses von Starkregenfällen auf die Weiden Ungarns aus dem 19. Jahrhundert stammten, sie aber keine neuen Belege für das 13. Jahrhundert vorlegen könnten, die ihr Szenario in Frage stellen würden.  Stephen Pow wiederum, ein Co-Autor der Studie von Pinke, wies 2019 daraufhin, dass die historischen Quellen keinerlei Hinweise für einen Einfluss der Witterung auf den Abzug der Mongolen geben, im Gegensatz zu einem zweiten Invasionsversuch im Jahr 1285.  Tatsächlich verzeichnet die Historikerin Andrea Kiss in ihrem monumentalen Werk zum Flutgeschehen im mittelalterlichen Ungarn keine Überschwemmung für 1242, sondern für das Jahr 1285, als die Truppen des Nogai Khan, eines Feldherrn der mongolischen Goldenen Horde, nach Ungarn vorstießen. In der sogenannten Continuatio Vindobonensis, Jahrbüchern für Wien und die umliegenden Gegenden, heißt es:

Nach Weihnachten 1285 (wohl 1284) brach eine enorme Menge von Kumanen [ein seit dem 11. Jahrhundert nördlich des Schwarzen Meers siedelndes Steppenvolk, das die Mongolen teilweise unterworfen hatten] und Tataren [= Mongolen] in das Land [Ungarn] ein. Gott sandte jedoch Wolken und große Regenfälle über sie. Der Wolkenbruch im Frühjahr verursachte eine so große Flut, dass fast alle ertranken.

Der Angriff der Mongolen auf Ungarn 1285 in einer illustrierten Chronik des 14. Jahrhunderts

Die Überschwemmung des Jahres 1285 fügt sich in eine Zunahme der Häufigkeit von Witterungsextremen im späteren 13. Jahrhundert, die den allmählichen Übergang von der Mittelalterlichen Klima-Anomalie zur Kleinen Eiszeit anzeigte.  Bereits ungefähr um die Zeit, in der der Dichter des „Biterolf und Dietleib“ sein Lob auf die Steiermark verfasste, suchte eine Kalt-Anomalie zwischen 1257 und 1259  weite Teile Westeuropas heim, die mit Missernte, Hungersnot und Seuche einherging (die Sommer dieser Jahre gehören laut den Temperaturrekonstruktionen zu den kältesten des ganzen Mittelalters).  So berichtet ein Chronist für England:

Der Nordwind herrschte mehrere Monate lang vor, und als April, Mai und ein Großteil des Monats Juni vorüber waren, erschien kaum eine kleine seltene Blume oder ein schießender Keim (…). Unzählige arme Menschen starben, und ihre Körper wurden aus Mangel angeschwollen aufgefunden, fünf oder sechs zusammen. Die Seuche war unerträglich. Sie griff besonders die Armen an. Allein in London kamen 15 000 arme Menschen ums Leben. In England und anderswo starben Tausende. Der Adel verteilte an bestimmten Tagen in London Brot. (…) Die Reichen entkamen dem Tod nur durch den Kauf von ausländischem Getreide.“ 

Einen grausigen archäologischen Beweis der geschilderten großen Sterblichkeit insbesondere unter den weniger wohlhabenden Bevölkerungsschichten lieferten bei Bauarbeiten in London auf dem Gelände des St. Mary Hospitals (nördlich des Hyde-Parks) Massengräber, die in diese Zeit datiert werden konnten.  Für diesen mehrmonatigen Kälteeinbruch wurde ein Vulkanausbruch verantwortlich gemacht, dessen besonders starke chemische Signatur sich auch in den Bohrkernen aus Grönland abzeichnete; nachdem der dahinter stehende Vulkan lange Zeit unbekannt war, sprach man von einer „Mystery Eruption“. Erst in den letzten Jahren wurde ein Ausbruch des Samalas-Vulkans auf der Insel Lombok (östlich von Bali und westlich von Sumbawa, wo der für das „Jahr ohne Sommer“ 1816 verantwortliche Vulkan Tambora liegt) im Jahr 1257 als Ursache wahrscheinlich gemacht.

Der Vulkan Samalas auf der Insel Lombok im heutigen Indonesien, der vermutlich für die Eruption von 1257 mit ihren klimatischen Folgen verantwortlich war

Auch in Österreich und der Steiermark waren die Auswirkungen der Kaltanomalie 1257/1258 zu spüren; dazu kam im August 1258 eine verheerende Feuersbrunst in Wien. Doch hatten die Länder schon in den Jahren zuvor unter Krieg und Not zu leiden gehabt. Aus dem Streit um die für die Hilfe gegen die Mongolen versprochenen Landstriche entbrannte ein Krieg zwischen Herzog Friedrich II. und König Bela IV., der im Juni 1246 zusammen mit kumanischen und russischen Hilfstruppen nach Westen marschierte. An der Leitha stellte sich ihm Friedrich II. am 15. Juni entgegen und konnte zwar die Schlacht für sich entscheiden, fand aber dabei den Tod. Mit ihm starb das seit 270 herrschende Geschlecht der Babenberger in der männlichen Hauptlinie aus.

Der Tod des Babenbergerherzogs Friedrich II. in der Schlacht gegen die Ungarn 1246, Darstellung im Babenbergerstammbaum in Klosterneuburg (um 1485)

Jene Nachbarfürsten, die aufgrund früherer Eheverbindungen Erbansprüche erheben konnten, stritten um die Macht in Österreich und der Steiermark, neben König Bela IV. von Ungarn vor allem der böhmische Kronprinz und ab 1253 König Ottokar II. Přemysl (reg. 1253-1278). An die Stelle des im „Biterolf und Dietleib“ beschriebenen Wohlstands trat „große Not“, wie der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein (ca. 1200-1275) klagte, und „mancher, der vorher reich war, verarmte. (…) Man beraubte die Länder bei Nacht und Tag, so dass viele Dörfer verödeten.“  1254 schlossen Ottokar II. und Bela IV. einen Teilungsvertrag, der die Herzogswürde in Österreich dem Böhmen und die der Steiermark dem Ungarn zusprach.  Jedoch entbrannte der Kampf um das Babenberger-Erbe 1260 und 1271 erneut, wobei sich König Ottokar II. vorerst durchsetzen konnte; er war auch in Teilen der österreichischen Länder sehr populär, so in Wien, dem er nach dem Brand von 1258 und einer weiteren Feuersbrunst 1276 großzügige Hilfe zukommen ließ.  Doch wählten die deutschen Fürsten 1273 mit Rudolf I. von Habsburg einen König, der bald die Ansprüche des Reiches in den österreichischen Ländern geltend machte. Er besiegte Ottokar II. schließlich im August 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen auf dem Marchfeld nordöstlich von Wien; der böhmische König kam dabei ums Leben. König Rudolf I. übertrug Österreich und Steiermark 1282 an seine Söhne Albrecht I. und Rudolf II. und begründete damit die mehr als 600jährige Herrschaft der Habsburger an der Donau.

Darstellung zum Theaterstück „König Ottokars Glück und Ende“ am Grillparzerdenkmal im Wiener Volksgarten von 1889

Der Aufstieg der Habsburger zur Großmacht im 14. und 15. Jahrhundert vollzog sich parallel zur klimatischen Entfaltung der Kleinen Eiszeit, die die kommenden 500 Jahre der Klimadynamik bestimmen sollte. Um 1282 setzte auch ein Minimum der Sonnenaktivität ein, das nach einem „Landsmann“ der ersten Habsburger, dem Schweizer Astronomen Johann Rudolf Wolf (1816-1893) benannt wird und bis 1342 anhielt. Der auch mit dem „Klimaforcing“ des Samalas-Ausbruchs 1257 einsetzende und durch weitere größere Eruptionen 1269, 1276 und 1286 (denen auch jeweils Missernten in Teilen Europas folgten) verstärkte Trend hin zur kühleren Klimabedingungen setzte sich auf globaler Ebene durch. Die vormals Nord- und Westeuropa begünstigende starke Ausprägung der Nordatlantik-Oszillation schwächte sich ab, und die Frequenz strenger Winter und kühler, oft feuchter Sommer, die die Ernten schädigten, stieg. Südeuropa und der Mittelmeerraum erhielten zeitweilig mehr Niederschläge als zuvor, die allerdings manchmal zu Überschwemmungen führten. Insgesamt stieg die Zahl der extremen Witterungsereignisse und der in mehreren Jahren aufeinander folgenden Ernteminderungen. Kältere Bedingungen und das Wachstum der Gletscher machten auch bestimmte Höhenlagen in den Alpen für Siedlung oder Nutzung unattraktiver, erschwerten die Überquerung mancher Pässe und sorgten für erhöhte Lawinengefahr. Das (für Nord- und Westeuropa zeitweilig gültige) „Optimum“ des Hochmittelalters ging zu Ende.

Johannes Preiser-Kapeller (Email: Johannes.Preiser-Kapeller@oeaw.ac.at)

 

 

 

 

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The microbiology of early globalization

Pandemics and imperial entanglement in the 2nd to 8th centuries AD

Updated and translated extract from: Johannes Preiser-Kapeller, Jenseits von Rom und Karl dem Großen. Aspekte der globalen Verflechtung in der langen Spätantike, 300–800 n. Chr. Vienna 2018.

Research is discovering, based on new methods of paleobotany, archeozoology and genetics, an increasing number of "biological transfers" in ancient and early medieval times, the exchange of which intensified with the great empires and their networks. Biology uses the term "hemerochory" for the spread or displacement of species through human culture, including the distribution by domestic animals or species accompanying humans (such as the house rat or house mouse), called "zoochory". A distinction is also made between conscious and unwanted introduction of species. The extent to which these phenomena, which are hotly debated in the modern "globalized" world, affected various ecospheres in antiquity and in the Middle Ages will be the subject of further investigation, but we can assume that even then there were hardly any "untouched" landscapes that were not changed to different degrees by human activity, either intentionally or unknowingly (for example by accompanying "bio-invaders").

Major long-distance trade routes in Afro-Eurasia between AD 500 and 900 (map: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020; basemap: google earth)

The “uninvited passengers” of all of these organic transfers definitely included the “microbiomes”, that is, the totality of all microorganisms that colonize a human or other living being. These also included pathogens, some of which first had to adapt to new "living conditions", but which could then have a devastating effect on animals and humans. For example, in his most recent monograph, Kyle Harper speaks for the late ancient Mediterranean region of an “unwanted conspiracy with nature”, through which the Romans in their empire, from the subtropics to the Arctic Circle, “created a disease ecology that would reveal the hidden power of the evolution of pathogens”.

 

Climate change and the "Antonine plague" in the 2nd century AD

A close connection between the large epidemics and the climatic changes of this epoch can be observed. When the "Roman climate optimum" transformed around AD 150 in a much more volatile period, the so-called "Antonine plague" struck the Roman Empire between 165 and 180. According to reports by contemporaries, it had its origins in the looting of the Parthian capital Seleukia-Ctesiphon in what is now Iraq by Roman legionaries; the temple of Apollo was not spared, which had caused the revenge of God. The Roman soldiers were more likely to have been infected with a pathogen introduced into the Mesopotamian commercial center across the Indian Ocean; even before that, there were in ca. 160 AD reports of such an epidemic in today's Yemen. With the returning legionaries, the pathogen came into the Roman Empire and spread over sea and land routes throughout the Mediterranean. The description of the epidemic by contemporaries, including the famous doctor Galen (approx. 129–205), is most likely to suggest a pox disease caused by the orthopoxvirus variola, which is spread by droplet and smear infections and is highly contagious. In large cities like Rome there were thousands of deaths a day, and in total up to 20 percent of the population of the empire probably fell victim to the epidemic (although, there is, as in other cases, a intensive debate on the actual demographic impact of the disease). Lucius Verus (ruled 161–169), son-in-law and co-emperor of Marcus Aurelius Antoninus (ruled 161–180, hence the name “Antonine Plague”), died of it. These (possible) demographic losses may have had a dramatic impact on the economy and society of the empire, which entered a much more troubled period in its history. However, after surviving the disease, the survivors acquired lifelong immunity, so that after a few years the plague probably disappeared around 180 for the time being.

Emperor Marcus Aurelius (161-180) and his adoptive brother and co-emperor Lucius Verus (161-169), who probably both died in different waves of the "Antonine Plague" (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marcus_Aurelius_and_Lucius_Verus,_British_Museum_(11269159504).jpg)

 

The “Plague of Cyprian” in the 3rd century AD

However, around 249 AD, during the crisis of the 3rd century, which was also accompanied by climatic extremes, the so-called "Plague of Cyprian" broke out, named after the contemporary Christian author Cyprian (approx. 200–258), Bishop of Carthage in what is now Tunisia. According to him and other contemporaries, the plague was introduced into the empire from East Africa and via Egypt and reached Alexandria around 249 and Rome in 251; a second wave broke out around the year 260 and reached today's Romania, then still a Roman province. The various descriptions of the disease have led some researchers to suspect a new outbreak of smallpox, as immunity from previous generations would have been lost again, but this seems unlikely. Another theory targets influenza viruses, whose devastating potential at the end of the First World War illustrated the "Spanish flu" with 50 million deaths worldwide. However, according to Kyle Harper, an even more "promising" candidate is a hemorrhagic fever, which is accompanied by heavy bleeding, for which several pathogens of the families of the Bunya viruses, the arena viruses (including the Lassa virus) and the Filoviruses (including Ebola) can be considered. Rodents and domestic animals such as sheep and goats serve as their natural hosts, and transmission is often carried out by insects such as ticks, sand flies or mosquitoes, but also from person to person for the filoviruses. These viruses would have been less contagious than smallpox, but would have impacted increased mortality (though, again, the actual demographic impact of the epidemic is disputed). In any case, the empire's crisis may have been exacerbated by the disease.

Electron microscope image of Ebola viruses, one of the possible causative agents of hemorrhagic fever (https://de.wikipedia.org/wiki/Ebolafieber#/media/Datei:Ebola_Virus.jpg)

 

The "Justinianic Plague" in the 6th to 8th centuries

From the end of the 3rd century onwards, somewhat more stable climatic conditions followed in the Mediterranean, and there was no further major epidemic outbreak for more than 250 years; but then the so-called " Justinianic Plague" between 540 and 750 changed the late antique world forever. The causative agent of the plague is the bacterium Yersinia pestis, so named due to the discovery by Alexandre Yersin (1863–1943) during an outbreak in Hong Kong in 1894. Its primary host is rodents, the transmission between hosts being carried out by fleas; however, the disease can be passed from rodent populations to humans, and apart from transmission by fleas, it can then spread further between humans, occasionally even via the air. There is a long debate in research as to whether the pathogen identified in 1894 is identical to that of the plague epidemics of the 14th to 17th centuries ("Black Death") and the 6th to 8th centuries ("Justinianic Plague"). However, new results of DNA analyzes of pathogens in the remains of victims of the late medieval and late antique plagues have confirmed this identity. Grave fields in Aschheim and Altenerding in Germany (both in the Munich district) provided valuable information for the authoritative study by David M. Wagner and his colleagues in 2014 for the 6th century. The genetic features reconstructed there refer to a strain of Yersinia that emerged in the area of ​​today's PR China, more precisely probably on the Qinghai-Tibet plateau, between 1000 BC and 500 AD (most recently, Rudolf Pfister also argued for a description of the disease in Chinese medical treatises at least since the 5th century AD).

The particularly damp and cool conditions that prevailed in large parts of Afro-Eurasia after a cold period beginning in 536 (the so-called "Late Antique Little Ice Age", approx. 536-660) favored the transmission of the pathogen, which is endemic among the rodent populations in East Asia, on other rodents or on humans. The plague then spread over the trade routes to the west over the next few years to the Indian Ocean and reached about 540 AD Egypt via the Red Sea, whose neighboring countries such as Aksum (today's Eritrea and Ethiopia) and Himyar (today's Yemen) were also affected, probably in the port of Klysma (today's Suez). In 541 AD, the plague arrived in Pelusion (30 km southeast of today's Port Said) on the Mediterranean. Infected rats and humans traveled from Egypt with the annual grain fleets to supply the imperial capital to Constantinople, where the plague broke out in 542 AD during the reign of Justinian. On the still intact trade and traffic routes, the disease was spread throughout the Middle East, the Mediterranean and beyond to Ireland, with the unintended expansion of the domestic rat in the Roman Empire contributing to the "infrastructure" of the spread.

Map of the possible region of origin and route of diffusion of the plague epidemic of the 6th century AD (map: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020)

According to contemporary sources, the plague in Constantinople claimed 250,000 to 300,000 deaths among the 500,000 inhabitants and millions more victims across the Roman empire, in the Persian Empire and in the neighboring states. As the plague returned in regular waves until around 749 AD for the next 200 years, the population of western Afro-Eurasia was permanently decimated; For the eastern Mediterranean, a permanent reduction to half to one third of the population before the pandemic has been assumed before demography could recover from the late 8th century onwards. But was the impact of the "Justinianic Plague" really so devastating? A debate has flared up due to an article published shortly before Christmas 2019 by Lee Mordechai and his team, who call the "Justinianic plague" an "inconsequential pandemic" (see also the earlier critical review of Kyle Harper´s book by John Haldon et al. from 2018). On the basis of a statistical analysis of the frequency of papyri, inscriptions and coins, but also of pollen data (on the intensity of agriculture), they doubt that the plague of the 6th century, like the "Black Death" of the late Middle Ages, accounted for 30 or even 50% population losses - and was more like the East Asian pandemic around 1900, which claimed millions of victims, but by no means depopulated large parts of China. Other researchers are strongly opposed to this scenario (several publication in response are in preparation now; see also Monica H. Green´s contribution on "When Numbers Don't Count: Changing Perspectives on the Justinianic Plague" from November 2019). Even if the lethality of the epidemic was lower than assumed, the social, economic and psychological consequences of the insecurity of the people and the disturbance of normal everyday life should also be taken into account. The latter argument seems understandable given the current situation around the corona virus, considering that the people of the 6th century were completely unclear about the cause and spread of the disease. In any case, the debate on the dimension and impact of the Justinianic Plague will continue.

The bacterium Yersinia pestis under the microscope (from: https://commons.wikimedia.org/wiki/Yersinia_pestis?uselang=de#/media/File:Yersinia.jpg)

 

Epidemics in Late Antique China and Japan, 6th-10th century AD

Overall, the pathogens of the three epidemics in the 2nd, 3rd and 6th centuries, apparently introduced from far outside the Mediterranean via the long-distance trade networks, may have had a far more devastating effect on the "virgin" populations in the Roman Empire and in neighboring regions than in regions near to their "home areas". These may have been exposed to more frequent, but less violent, outbreaks as long as a pathogen did not develop significantly and thus at least partially neutralized existing immunities (the "immunological memory"). For example, information about pandemics comparable to the "Justinianic plague" or "Black Death" are less clear for the Chinese regions much closer to the endemic areas of Yersinia pestis before the great outbreak of the 19th century. An epidemic that may have been identified as plague is recorded in southern China for the year 549 AD, i.e. shortly after the epidemic occurred in the Mediterranean. In addition, however, China was repeatedly hit by (other) epidemics; a disease associated with high fever is said to have claimed millions of victims under Emperor Gaozu (r. 618–626). Another epidemic cost the lives of many people between 636 and 644 AD, and spread between the imperial capitals of Chang'an and Luoyang, each with hundreds of thousands of inhabitants, along the canals that the emperors had been building for hundreds of kilometers since the end of the 6th century in order to connect the north and south of their empire. As in the (post) Roman Mediterranean world, the networks of the imperial infrastructure also offered pathogens new ways of spreading. Until the end of the Tang Dynasty around 907, eighteen other major epidemics, including smallpox, were mentioned; some of the pathogens were apparently brought in from the newly developed subtropical regions of the south, others from the steppes of Central Asia, including animal diseases that decimated the imperial horse population.

The spread of an epidemic in China between 636 and 644 between the imperial capitals along the canal network (map: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020)

For comparatively isolated populations, the consequences of contact with new pathogens could be all the more fatal. Between 735 and 737 AD, a devastating smallpox epidemic in Japan, which is said to have been brought in by a ship from the Korean empire of Silla, caused a severe demographic, economic and political crisis, which, among other things, contributed to a stronger focus on Buddhism (also imported from Korea). Here too, both the strengthening of maritime connections and the consolidation of settlements in the form of the new imperial capitals such as Nara (near today's Osaka) had favored the spread of the epidemic. Until around 1200, smallpox returned a total of 28 times every 10 to 20 years on average and permanently inhibited a demographic recovery in the population of Japan.

The copper Buddha statue, over 15 meters high, in the old Japanese capital of Nara, completed in 749 shortly after the first major smallpox epidemic in the country (photo: J. Preiser-Kapeller, 2019)

 

So while monks and princesses smuggled silkworms from China to the west and caliphs had orange trees shipped from India to Iraq, much smaller biological stowaways on board humans and animals turned out to be the most powerful "profiteers" of the global entanglements of late antiquity. One of the unplanned consequences of the exchange between the regions of the world was the “microbiological unification” of Afro-Eurasia, against which even the greatest empires of the time were left powerless.

 

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Weiterlesen

Die Mikrobiologie der frühen Globalisierung

Pandemien und imperiale Verflechtungen im 2. bis 8. Jahrhundert n. Chr.

Aktualisierter Auszug aus dem Buch: Johannes Preiser-Kapeller, Jenseits von Rom und Karl dem Großen. Aspekte der globalen Verflechtung in der langen Spätantike, 300–800 n. Chr. Wien 2018 (die allerletzte Version des Beitrags ist die englische Übersetzung im Blog)

Die Forschung entdeckt, auch auf Grundlage neuer Methoden der Paläobotanik, Archäozoologie und Genetik, eine steigende Anzahl von „biologischen Transfers“ in der Antike und Spätantike, deren Austausch sich mit den großen Imperien und ihren Netzwerken intensivierte. Die Biologie verwendet den Begriff der „Hemerochorie“ für die Ausbreitung oder Verschleppung von Arten durch die menschliche Kultur, wobei dazu auch die Verbreitung durch Haustiere oder den Menschen begleitende Gattungen (wie etwa die Hausratte oder die Hausmaus), genannt „Zoochorie“, zählt. Unterschieden wird auch zwischen bewusster und ungewollter Einführung von Arten. Wie sehr diese Phänomene, die in der modernen „globalisierten“ Welt heftig diskutiert werden, schon in der Antike und im Mittelalter verschiedene Ökosphären betrafen, wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein, doch dürfen wir vermuten, dass es schon damals gab es kaum mehr „unberührte“ Landschaften gab, die nicht in unterschiedlichem Ausmaß durch menschliche Aktivität willentlich oder unwissentlich (etwa durch mitgereiste „Bio-Invasoren“) verändert wurden.

Wichtige Fernhandelsrouten in Afro-Eurasien zwischen 500 und 900 n. Chr. (Karte: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020; basemap: google earth)

Zu den „ungebetenen Passagieren“ all dieser Bio-Tranfers gehörten in jedem Fall die „Mikrobiome“, also die jeweilige Gesamtheit aller einen Menschen oder andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen. Diese umfassten auch Krankheitserreger, die sich teilweise erst an neue „Lebensumstände“ anpassen mussten, dann aber eine verheerende Wirkung bei Tier und Mensch entfalten konnten. Für den spätantiken Mittelmeerraum etwa spricht Kyle Harper in seiner jüngsten Monographie von einer „ungewollten Verschwörung mit der Natur“, durch die die Römer in ihrem Imperium von den Subtropen bis nahe an den Polarkreis „eine Krankheitsökologie schufen, die die verborgene Kraft der Evolution der Pathogene entfesselte“. 

 

Klimawandel und die „Antoninische Pest“ im 2. Jahrhunder n. Chr.

Dabei ist ein enger Zusammenhang zwischen den großen Seuchen und den klimatischen Veränderungen dieser Epoche zu beobachten; als das „Römische Klimaoptimum“ um 150 n. Chr. in einer deutlich unbeständigere Periode überging, suchte zwischen 165 und 180 die sogenannte „Antoninische Pest“ das Imperium Romanum heim. Ihren Ursprung hatte sie laut den Berichten der Zeitgenossen in der Plünderung der parthischen Hauptstadt Seleukia-Ktesiphon im heutigen Irak durch römische Legionäre, wobei auch der Tempel Apollos nicht verschont wurde, was die Rache des Gottes hervorgerufen habe. Eher hatten sich die römischen Soldaten jedoch mit einem über den Indischen Ozean in das mesopotamische Handelszentrum eingeschleppten Erreger infiziert; schon davor gibt es um 160 Berichte über eine solche Seuche im heutigen Jemen. Mit den heimkehrenden Legionären gelangte der Erreger ins römische Reich und verbreitete sich über See- und Landrouten im gesamten Mittelmeerraum. Die Beschreibung der Seuche durch Zeitgenossen, darunter den berühmten Arzt Galen (ca. 129–205), lassen am ehesten auf eine Pockenerkrankung schließen, die durch das Orthopoxvirus variola verursacht wird, das sich durch Tröpfchen- und Schmierinfektion verbreitet und hoch ansteckend ist. In Großstädten wie Rom gab es tausende Tote pro Tag, insgesamt fielen der Epidemie vielleicht bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung des Reichs zum Opfer; auch Lucius Verus (reg. 161–169), der Schwiegersohn und Mitkaiser des Marcus Aurelius Antoninus (reg. 161–180, deshalb auch die Bezeichnung „Antoninische Pest“), starb daran. Diese demographischen Verluste hatten dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft des Imperiums, das in eine deutlich unruhigere Periode seiner Geschichte eintrat. Nach überstandener Krankheit erwarben die Überlebenden allerdings lebenslange Immunität, sodass die Seuche nach einigen Jahren wohl um 180 vorerst verschwand.

Kaiser Marcus Aurelius (161-180) und sein Adoptivbruder und Mitkaiser Lucius Verus (161-169), die vermutlich beide in verschiedenen Wellen der „Antoninischen Pest“ umkamen (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marcus_Aurelius_and_Lucius_Verus,_British_Museum_(11269159504).jpg)

 

Die „Pest des Cyprian“ im 3. Jahrhundert n. Chr.

Doch schon siebzig Jahre später brach um 249 in der ebenfalls durch klimatische Extreme begleiteten Krisenzeit des 3. Jahrhunderts die sogenannte „Pest des Cyprian“ aus, benannt nach dem zeitgenössischen christlichen Autor Cyprian (ca. 200–258), Bischof von Karthago im heutigen Tunesien. Laut ihm und anderen Zeitgenossen wurde die Seuche aus Ostafrika und über Ägypten ins Imperium eingeschleppt und erreichte um 249 Alexandria und im Jahr 251 Rom; eine zweite Welle brach um das Jahr 260 aus und gelangte bis ins heutige Rumänien, damals noch römische Provinz. Die verschiedenen Schilderungen der Krankheit ließen manche Forscher einen erneuten Ausbruch der Pocken vermuten, da auch die Immunität vorangegangener Generationen mittlerweile wieder verloren gegangen wäre, jedoch scheint dies wenig wahrscheinlich. Eine weitere Theorie nimmt Influenzaviren ins Visier, deren verheerendes Potential am Ende des Ersten Weltkriegs die „Spanische Grippe“ mit weltweit 50 Millionen Toten illustrierte. Als noch „aussichtsreicherer“ Kandidat gilt aber ein hämorrhagisches, also von starken Blutungen begleitetes Fieber, für das mehrere Erreger der Familien der Bunyaviren, der Arenaviren (darunter das Lassavirus) und der Filoviren (darunter Ebola) in Frage kommen. Als ihre natürlichen Wirte dienen Nagetiere und Haustiere wie Schafe und Ziegen, die Übertragung erfolgt oft durch Insekten wie Zecken, Sandfliegen oder Stechmücken, bei den letztgenannten Filoviren aber auch von Mensch zu Mensch. Diese Viren hätten weniger ansteckend als die Pocken gewirkt, aber eine höhere Mortalität verursacht. Auf jeden Fall wurde die Krise des Imperiums zusätzlich verschärft.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren, einem der möglichen Erreger hämorrhagischer Fieber (https://de.wikipedia.org/wiki/Ebolafieber#/media/Datei:Ebola_Virus.jpg)

 

Die „Justinianische Pest“ im 6. bis 8. Jahrhundert

Ab dem Ende des 3. Jahrhunderts folgten im Mittelmeerraum etwas stabilere klimatische Bedingungen, und für mehr als 250 Jahre gab es auch keinen weiteren großen Seuchenausbruch;  dann aber veränderte die sogenannte „Justinianische Pest“ zwischen 540 und 750 die spätantike Welt für immer. Der Erreger der Pest ist das Bakterium Yersinia pestis, so benannt aufgrund der Entdeckung durch Alexandre Yersin (1863–1943) während eines Ausbruchs in Hongkong 1894. Sein Primärwirt sind Nagetiere, wobei die Übertragung zwischen Wirten durch Flöhe erfolgt; jedoch ist ein Überspringen der Seuche von Nagetierpopulationen auf Menschen möglich, wobei dann neben der Übertragung durch Flöhe eine weitere Verbreitung zwischen Menschen, gelegentlich sogar über die Luft, erfolgen kann. In der Forschung gibt es eine lange Debatte, ob der 1894 identifizierte Erreger mit jenen der Pestepidemien des 14. bis 17. Jahrhunderts („Schwarzer Tod“) und des 6. bis 8. Jahrhunderts („Justinianische Pest“) identisch ist. Neue Ergebnisse der DNA-Analysen von Erregern in den Überresten von Opfern der spätmittelalterlichen und der spätantiken Pest haben aber diese Identität bestätigt. Für das 6. Jahrhundert lieferten Gräberfelder in Aschheim und in Altenerding in Deutschland (beide im Landkreis München) für die maßgebliche Studie von David M. Wagner und seinen Kollegen 2014 wertvolle Hinweise. Die dort rekonstruierten genetischen Merkmale verweisen auf einen Yersinia-Erregerstamm, der sich auf dem Gebiet der heutigen VR China, genauer vermutlich auf der Qinghai-Tibet-Hochebene, zwischen 1000 v. Chr. und 500 n. Chr. entwickelt hatte. Die besonders feucht-kühlen Bedingungen, die nach einer ab 536 einsetzenden Kaltperiode (die sogenannte „Spätantike Kleine Eiszeit“, ca. 536–660) in weiten Teilen Afro-Eurasiens vorherrschten, begünstigten das Überspringen des unter den Nagetierpopulationen in der ostasiatischen „Heimat“ endemischen Erregers auf andere Nagetiere bzw. auf den Menschen. Über die Handelswege nach Westen verbreitete sich die Pest dann in den nächsten Jahren bis zum Indischen Ozean und erreichte über das Rote Meer, dessen Anrainerstaaten wie Aksum (im heutigen Eritrea und Äthiopien) und Himyar (im heutigen Jemen) ebenfalls betroffen wurden, um 540 Ägypten, vermutlich im Hafen von Klysma (das heutige Suez). Im Jahr 541 traf die Seuche in Pelusion (30 km südöstlich des heutigen Port Said) am Mittelmeer ein. Von Ägypten reisten infizierte Ratten und Menschen mit den alljährlichen Getreideflotten für die Versorgung der Reichshauptstadt nach Konstantinopel, wo die Pest im Jahr 542 während der Regierungszeit des Kaisers Justinian ausbrach. Auf den immer noch intakten Handels- und Verkehrsrouten wurde die Krankheit im ganzen Nahen Osten, Mittelmeerraum und darüber hinaus bis nach Irland getragen, wobei die früher im Imperium Romanum erfolgte unbeabsichtigte Expansion der Hausratte zur „Infrastruktur“ der Ausbreitung beitrug. 

Karte der möglichen Ursprungsregion und Verbreitungswege der Pestepidemie des 6. Jahrhunderts n. Chr. (Karte: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020)

In Konstantinopel forderte die Pest nach zeitgenössischen Angaben 250 000 bis 300 000 Tote unter den 500 000 Einwohnern und weitere Millionen Opfer im ganzen Imperium, im Perserreich und in den angrenzenden Staaten. Da die Seuche für die nächsten 200 Jahre in regelmäßigen Wellen bis um 749 zurückkehrte, wurde die Bevölkerung des westlichen Afro-Eurasiens nachhaltig dezimiert; für den östlichen Mittelmeerraum geht man von einer dauerhaften Reduktion auf die Hälfte bis ein Drittel der Bevölkerungszahl vor der Pandemie aus, ehe sich die Demographie ab dem späteren 8. Jahrhundert wieder erholen konnte. Aber war die Wirkung der „Justinianischen Pest“ tatsächlich so verheerend? Darüber ist aufgrund eines kurz vor Weihnachten 2019 veröffentlichten Artikels von Lee Mordechai und seinem Team, die die „Justinianische Pest“ als „inconsequential pandemic“ bezeichnen, eine Debatte entbrannt. Auf der Grundlage einer statistischen Analyse der Frequenz von Papyri, Inschriften und Münzen, aber auch von Pollendaten (zur Intensität der Landwirtschaft) bezweifeln sie, dass die Seuche des 6. Jahrhunderts so wie der „Schwarze Tod“ des Spätmittelalters 30 oder gar 50 % der Bevölkerung das Leben kostete – und somit eher der ostasiatischen Pandemie um 1900 glich, die zwar Millionen Opfer forderte, aber keineswegs weite Teile Chinas entvölkerte. Andere Forscherinnen und Forscher erheben gegen dieses Szenario heftigen Widerspruch. Selbst wenn die Letalität der Seuche geringer war, als angenommen, dann seien auch die sozialen, ökonomischen und psychologischen Folgen der Verunsicherung der Menschen und der Störung des normalen Alltags zu berücksichtigen. Letzteres Argument scheint angesichts der aktuellen Situation um den Corona-Virus durchaus nachvollziehbar, wenn man noch dazu bedenkt, dass die Menschen des 6. Jahrhunderts über Ursache und Verbreitungswege der Krankheit völlig im Unklaren waren.

Das Bakterium Yersinia pestis unter dem Mikroskop (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Yersinia_pestis?uselang=de#/media/File:Yersinia.jpg)

 

Epidemien im spätantiken China und Japan, 6.-10. Jahrhundert

Insgesamt mögen die offenbar von weit außerhalb des Mittelmeerraums über die Fernhandelsnetzwerke eingeschleppten Erreger der drei Epidemien im 2., 3. und 6. Jahrhundert auf die „jungfräulichen“ Populationen im Imperium Romanum und in angrenzenden Regionen weit verheerender gewirkt haben als in ihren „Heimatgebieten“ benachbarten Landstrichen. Diese waren vielleicht häufigeren, aber weniger heftigen Ausbrüchen ausgesetzt, solange ein Pathogen sich nicht erheblich weiterentwickelte und somit zumindest teilweise vorhandene Immunitäten (das „immunologische Gedächtnis“) wieder aushebelte. So sind die Informationen über mit der „Justinianischen Pest“ oder dem „Schwarzen Tod“ vergleichbare Pandemien für die viel näher an den endemischen Gebieten der Yersinia pestis gelegenen chinesischen Regionen vor dem großen Ausbruch des 19. Jahrhunderts weniger eindeutig. Eine möglicherweise als Pest zu identifizierten Epidemie wird immerhin für das Jahr 549, also zeitnah zum Auftreten der Seuche im Mittelmeerraum, im Süden Chinas verzeichnet. Darüber hinaus wurde China jedoch immer wieder von (anderen) Seuchen heimgesucht wurde; eine mit hohem Fieber verbundene Krankheit soll unter Kaiser Gaozu (reg. 618–626) Millionen Opfer gefordert haben. Eine weitere Epidemie kostete zwischen 636 und 644 vielen Menschen das Leben und verbreitete sich zwischen den kaiserlichen Hauptstädten Chang´an und Luoyang, die jeweils hunderttausende Einwohner hatten, entlang der Kanäle, das die Kaiser seit dem Ende des 6. Jahrhunderts über viele hundert Kilometer errichten hatten lassen, um den Norden und Süden ihres Reiches zu verbinden. So wie in der (post)römischen Mittelmeerwelt boten die Netzwerke der imperialen Infrastruktur auch den Pathogenen neue Verbreitungswege. Bis zum Ende der Tang-Dynastie um 907 werden achtzehn weitere größere Epidemien, darunter wohl auch die Pocken, erwähnt; einige der Erreger wurden offenbar aus den neuerschlossenen subtropischen Regionen des Südens eingeschleppt, andere aus den Steppen Zentralasiens, darunter auch Tierseuchen, die die kaiserlichen Pferdebestände dezimierten. 

Die Ausbreitung einer Epidemie in China zwischen 636 und 644 zwischen den kaiserlichen Hauptstädten entlang des Kanalnetzes (Karte: J. Preiser-Kapeller, ÖAW, 2020)

Für vergleichsweise isolierte Populationen konnten die Konsequenzen eines Kontakts mit neuen Pathogenen umso fataler sein. Zwischen 735 und 737 verursachte in Japan eine verheerende Pocken-Epidemie, die durch ein Schiff aus dem koreanischen Reich von Silla eingeschleppt worden sein soll, eine schwere demographische, wirtschaftliche und politische Krise, die unter anderem zu einer stärkeren Zuwendung zum (gleichfalls aus Korea importierten) Buddhismus führte. Auch hier hatte sowohl eine Verstärkung der maritimen Verbindungen als auch eine Verdichtung von Siedlung in Gestalt der neuen kaiserlichen Hauptstädte wie Nara (nahe dem heutigen Osaka) die Ausbreitung der Epidemie begünstigt. Bis um 1200 kehrten die Pocken insgesamt 28mal im Durchschnitt alle 10 bis 20 Jahre wieder und hemmten nachhaltig eine demographische Erholung der Bevölkerungszahl Japans.

Die über 15 Meter hohe kupferne Buddha-Statue in der alten japanischen Hauptstadt Nara, fertiggestellt im Jahr 749 kurz nach der ersten großen Pockenepidemie im Land (Foto: J. Preiser-Kapeller, 2019)

 

Während also Mönche und Prinzessinnen Seidenraupen aus China nach Westen schmuggelten und Kalifen Orangenbäume verschiffen ließen, erwiesen sich noch viel kleinere biologische blinde Passagiere an Bord von Menschen und Tieren als die zumindest unmittelbar wirkmächtigsten „Profiteure“ der globalen Verflechtungen der langen Spätantike. Zu den ungeplanten Konsequenzen des Austauschs zwischen den Weltregionen gehörte auch die „mikrobielle Vereinigung“ Afro-Eurasiens, gegen die selbst die größten Imperien der Zeit machtlos blieben.

 

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A Jewish Empire?

Religion and Mission in the Khanate of the Khazars

1 Introduction

In 2005, the plan for a monumental statue of the Grand Prince Svjatoslav I (r. 959-972) of Kiev, which was to be built in the village of Cholki near Belgorod (approx. 700 km south of Moscow), caused some excitement in Russia. The artist, Vjačeslav Michajlovič Klykov (1939-2006), was considered an "expert" for such national monuments, but was himself close to the extreme nationalist right and was one of the signatories of the "Letter of the 500" in 2005, in which the Russian attorney general was called to investigate all Jewish organizations in Russia on suspicion of extremism. And so, according to the circulated draft, Svjatoslav, who, along with other neighboring peoples, had also subjugated the Khazars' empire, should be shown on horseback how he races an enemy warrior whose shield adorns a Star of David. Various organizations from home and abroad protested against such a representation of the triumph of the Russian national hero over the "Jewish" Khazars. The press office of the Belgorod regional administration then issued a statement that the monument had not yet been built and that its design would express respect for representatives of all nationalities and religions. In fact, the warrior's shield on the completed monument did not show the Star of David, but a different form of decoration. The debate made it clear, however, how much the existence of a medieval “Jewish” empire could arouse people's minds in Russia even a thousand years after its fall. [1]

Monument drafted by the sculptor Klykov (1939-2006) in the Belgorod region of Russia, showing Prince Svjatoslav of Kiev defeating a Khazar warrior (https://en.wikipedia.org)

In fact, the conversion of a people to Judaism in the Middle Ages is a very rare event. Even in the Khazar tradition, people were aware of the unusual nature of this process and dressed it in various legends. The story of a competition between the three major monotheistic religions (Judaism, Christianity, Islam) at the court of the Khazar ruler has been handed down to us in several versions, whereby the representatives of Judaism would have won the dispute about the faith - a motive that we also find in the traditions on the the conversions of other peoples. However, the process of converting the Khazars to the Jewish faith is difficult to reconstruct precisely because of this legendary cloak.

 

2 The ancient religion of the Khazars

What is certain is that the Khazars, like other steppe peoples, originally adhered to the ancient Turkic-Mongolian religion, which centered around the veneration of the sky god Tengri, symbolized, among other things, by the sun. The most important animal of the equestrian nomads, the horse, was sacrificed to him. According to various sources, the Khazars also worshiped sacred trees; these stood for the world tree, which sits enthroned in the middle of the world and connects the underworld, human world and the sky. Elements of shamanism were equally widespread, and various practices were used to try to connect with the world of spirits and ancestors in ecstasy. One of the earliest descriptions of the Tengri religion in the Khazar Empire from a Christian point of view can be found in the historical work of Movses Kałankatwacʽi, who describes the missionary journey of Bishop Israyēl from Caucasian Albania (in modern-day Azerbaijan) to the “Huns” under Khazar sovereignty in today's Dagestan in 681 AD: “They offered horses as burnt sacrifices  and worshiped a gigantic wild beast, which they called  the god T‛angri χan (…). With a completely disorganized mind, they stumbled into every kind of misconception; (they) beat drums and whistled over corpses, (they) afflicted themselves bloody cuts with swords and daggers on their cheeks and limbs, and they did naked sword fights - oh hell! - at the graves, man against man and group against group, all unclothed for the battle. (...) They made sacrifices to the fire and the water and to certain gods of the paths, and to the moon and to all the creatures that they saw as remarkable in their eyes." [2]
For the Byzantine-Khazarian border area in the Crimea, the vita of Constantine-Cyril describes the veneration of a holy oak by the local population for around 860 AD (which the saint of course put an end to). This old belief remained with the Khazars after the conversion of the ruling group to Judaism, especially in the ordinary population.

The Central Asian sky god Tengri in a modern Mongolian representation (https://de.wikipedia.org)

3 Christianity in the Khazar Empire

As the journey of Bishop Israyēl shows, the Khazars became the target of Christian mission attempts early after the formation of their empire in the steppes north of the Black and Caspian Seas (between 630 and 660 AD). In fact, we subsequently receive news about Christian communities in the Khazar Empire. The city of Samandar (today's Dagestan) is said to have been largely Christian in the 10th century, and archaeological finds also confirm the existence of Christian communities in towns on the coast of Dagestan. Contact with Christians took place both in the Caucasus and in the Crimea, where Christian cities came under Khazar rule. The former Muslim Abo from Tbilisi was even baptized as a refugee in the Khazar Empire around 782 AD; in his vita (in Georgian language) it is also reported that at this time the Khazar ruler and his entourage were still "pagans" (and therefore not yet Jews). Of course, the Byzantine Empire had a particular interest in the Christianization of the Khazars, which they regarded as valuable allies against the Arabs in the 7th and 8th centuries. In 732/733 AD, the Byzantine Crown Prince Constantine (V) married the daughter of the Khazar Khan. However, there emerged several conflict zone between Byzantium and the Khazars where the spheres of influence of the two empires collided, namely on the Crimean peninsula. Nevertheless, around 840 AD Emperor Theophilos complied with the Khazars' request for support in the construction of the fortress Sarkel at the river Don. And in 860 AD, the subsequent “Apostles of the Slavs” Cyril-Constantine and Methodius were sent to the Khazar court, where, according to their vita, a competition between the three religions took place - in fact at that time the leaders of the Khazars had already become Jews. This ultimate failure of the conversion attempts may have contributed to the estrangement between Byzantium and the Khazar Empire. In the 10th century we often find the two empires in conflict with each other (see below). However, larger Christian communities continued to exist in many places in the Khazar Empire, including the capital of Itil. As early as 855 AD, the Byzantine emperor sent Lazaros, a monk and painter from the Khazar people, as an envoy to Pope Benedict III. In a letter in 919/920 AD, Patriarch Nikolaos I Mystikos reports that he had sent the newly ordained archbishop for the city of Kherson (on the Crimea) to Chazaria because the Christians there had asked for a bishop in Constantinople in order to ordain priest . In a letter he wrote shortly thereafter, we learn that even a bishop should have been appointed for the Khazar community. Christian church life was also possible among Jewish Khazar rulers.

The Khazar Empire around 850 AD (www.geocities.com/ayatoles)

4 The Khazars and Islam

The Khazars also came into contact with Islam at an early stage. However, these relationships were initially primarily of a warlike nature: in the 7th and 8th centuries, the Khazars advanced several times over the Caucasus into the regions of Georgia and Armenia under Arab sovereignty and further south, while Caliphate troops tried unsuccessfully to also gain a foothold north of the large mountain ridge. These centuries-long wars in the Caucasus may have hampered the emergence of Muslim communities in the Khazar Empire. In 737 AD, however, the Khazars suffered a severe defeat against the Arab general Marwan ibn Muhammad; Muslim troops advanced far beyond the Caucasus and eventually even forced the Khan and his entourage to adopt Islam [3]. Although this conversion remained an episode, the Khans probably shifted their imperial center from Dagestan to the lower Volga river at this time, which the Khazars referred to as Itil ("Great River"). When relations relaxed at the end of the 8th century and trade between Mesopotamia, Persia and the north intensified, numerous Muslim traders brought their faith along with their goods. From the end of the 8th century onwards, Muslim mercenaries from the region of Khoresm in Central Asia played a special role. The Khazar rulers incorporated them into their army in large numbers (supposedly up to 7,000 men), and thus strengthened their position towards the contingents of the powerful of the Khazars and other tribes. These mercenaries were promised that they would never have to fight Muslims. The presence of numerous Muslims also led to the conversion of not a few Khazars to Islam; according to Arab reports, there were over 10,000 Muslims and 30 mosques in the Khazar capital of Itil in the 10th century [4].

The Volga Delta near Astrakhan, near which the Khazar capital Itil was probably located (https://de.wikipedia.org)

 

5 The conversion to Judaism and its dating

The conversion of the Khazars to Judaism was mainly reconstructed on the basis of three source texts in Hebrew from the 10th century: The first was the correspondence between the Jew Ḥasday ibn Šaprut and the Khazar prince Joseph from around 950 AD. Ḥasday ibn Šaprut was a doctor and vizier under the Umayyad caliphs' Abd ar-Rahman III. (reg. 911-961) and al-Hakam II. (reg. 961-976) on the Iberian peninsula. Through merchants he learned of the existence of a Jewish empire in the east. When a legation went from the Umayyad court in Cordoba to Constantinople, ibn Šaprut instructed the Jewish diplomat Isaak bar Nathan to travel from there to the Khazar Empire; this attempt failed. Another letter by Ibn Šaprut, however, reached its destination around 953 AD through the mediation of Jews in Central Europe by land; Ḥasday ibn Šaprut describes his motivation to seek contact with the Khazar ruler as follows:

We live in the diaspora and there is no power in our hands. They say to us every day: "All people have their kingdom, but you have no memory of it in all the countries." But when we heard from my lord the king about the power of his empire and his powerful army, we were amazed. We raised our heads, our spirits returned, our hands were strengthened, and my lord's kingdom was our defense response.[5]

Indeed, a short time later, Ḥasday ibn Šaprut received an answer in the form of a letter in Hebrew from the Khazar “King” (as he calls himself) Joseph, describing the Judaization of the Khazars and the situation in the empire [6]. In addition, there is another fragmentary letter found in the storage room (Genizah) of the Cairo Ben Ezra Synagogue, the "Schechter text" named after its discoverer Solomon Schechter (1847–1915). Its author also describes himself as the subject of King Joseph [7]. He was probably a Khazar who met the envoy of Ḥasday ibn Šaprut in Constantinople, to whom this earlier letter (probably dated around 949 AD) is also addressed. These texts are characterized by a legendary representation of the conversion of the Khazars to Judaism, which also contradicts itself in essential points, and are only preserved to us in copies of the 11th century, which show clear traces of revision.

Fragment of a copy of the Hebrew letter from Hasday ibn Shaprut to the Khazar ruler from around 950, discovered in Cairo, today in Cambridge (https://www.lib.cam.ac.uk)

According to Joseph's letter, Judaism is said to have spread to the Khazar Empire for the first time through an army leader named Bulan (Turkic for "deer"), who called Jewish scholars into the country and also held a religious dispute between representatives of Judaism, Christianity and Islam. On the other hand, according to the Schechter text, Jews from Armenia fleeing from “idolaters” brought their religion to the country north of the Caucasus, where they lost all writing and could only preserve some external features of the faith such as circumcision and the Sabbath. Only then did a successful Jewish-born military leader initiate further Judaization; he called Jewish scholars into the country and organized a competition between the three religions. According to the letter of Joseph, Judaism was said to have been consolidated under the ruler Obadiah, who bore the name of an Old Testament prophet, who called rabbis into the country and set up synagogues and Talmud schools that ensured the interpretation of the Bible, Mishna, Talmud and the prayer books. The Schechter text has no report on this. The dating of these events in the texts is also not very reliable; in the letter of Joseph, the conversion of Bulan and the subsequent dispute of faith are set 340 years ago, which would correspond to the year 615 AD, but in which neither the Khazar Empire nor Islam existed. The great Spanish-Jewish scholar Yehuda ha-Levi (approx. 1075–1141 AD), who uses the religious dispute at the Khazar court as a framework for his work “Sefer ha-Kuzari”, dated the Judaization of the Khazars 400 years before his time, which is approximately the year 740 [8]. While some scholars advocated this date, others wanted to follow the Arab historian al-Mas‛ūdi, who wrote: "The king of the Khazars had already become a Jew at the time of the Caliphate of Harun al-Rashid [r. 786-809 AD], and to him Jews had come from all countries of Islam and from the land of the Greeks (= Byzantium).”[9] In 1995 Constantin Zuckerman finally identified the dispute of faith mentioned in the Hebrew letters with the one described in the Vita of Constantin-Cyril and therefore dated the conversion the Khazars to Judaism to around 860 AD. However, since 1999 AD, we have had a more secure terminus ante quem for the official conversion of the Khazar rulers to the Jewish faith; this is provided by Khazar imitations of Arab silver coins (dirhem) discovered on the island of Gotland, which bear the inscription "Moses [instead of Mohammed as with the Arab coins] is the messenger of God" (Mūsā rasūl Allāh). These coins date from around 837/838 AD, and at the same time document the importance that the Khazar Empire had at that time for trade between the Orient and Northern Europe [10].

Khazar silver coin based on the Arabic model with the legend "Moses is the Messenger of God", approx. 837/838 AD (found in Gotland in 1999, https://de.wikipedia.org)

 

In the Vita of Constantine-Cyril, too, it ultimately becomes clear that the missionary found himself at a Khazar court that was already dominated by the Jewish faith in 860 AD:

The Khan replied to him: "We all speak in the same way, only on this one point do we keep it differently, because you praise the Trinity, but we praise one God, whereby we interpret the Scriptures correctly. "(...) But the Jews who stood around him said to him: "Now say, how can a woman in her body embrace God whom she cannot even see, let alone give birth to". [11]

Therefore, we can now assume that at least the leading group of the Khazars converted to Judaism in the first decades of the 9th century. The exact circumstances of this process, however, remain unclear. Indeed, ancient Jewish communities, from which the faith could have been transmitted to the Khazars, existed both in Georgia and Armenia and on the Crimean peninsula. Until the end of the 6th century, considerable Jewish population groups can be found there. However, we only have more recent news from around 860, both in the Vita of Constantin-Cyril and in a letter from the Patriarch Photios to Archbishop Antonios of Bosporos, whom he congratulates on the conversion of Jews on the Crimea. As the Schechter text and other sources report, persecutions moved Jews to find their way from Byzantium to the Khazar sphere of power. In the Byzantine Empire, Emperor Herakleios (r. 610-641 AD) is said to have ordered the compulsory baptism of all Jews around 630 AD, although the source evidence is doubtful. A similar measure is attributed to Emperor Leon III (r. 717-741) for the year 721/722 AD. Even though Judaism may have spread into the Khazar Empire since then, there is no evidence for a conversion of large groups of the Khazars or the elite at this point. In the 8th century, contemporary sources still referred to them as “pagans”. In addition to the Jewish communities mentioned, as for the case of Islam, merchants, especially the so-called Rādhāniyya, whose trade network extended from the Atlantic to the Orient and China, may have played a role in the spread of the faith; according to Arabic sources, their activity extended to the Khazar Empire.

It is striking why in the two Hebrew versions Judaism is victorious in the dispute of faith: in the Schechter text, both the representative of Christianity and of Islam have to confirm the narration of the history of creation of the people of Israel, which the Jewish scholars based on the Tora,  since it is also the basis of their traditions. In the letter of King Joseph, the Khazar ruler separately asked the representatives of Christianity and Islam which of the other two religions they considered the better; both answered: Judaism. The Jewish faith thus appears as a "third way" to monotheism, which the Khazars integrated into the community of the bearers of a respected book religion. Their princes became rulers who, like the emperor in Constantinople and the caliph in Baghdad, could legitimize their royalty with the model of ancient Israel with the leading figures of David and Solomon, at the same time avoiding to increase the influence of one of the two powerful neighboring empires (Christian Byzantium and the Islamic Caliphate) in their realm. Peter B. Golden is also of this view and refers to the conversion of the Central Asian Uighurs to Manichaeism, also a persecuted, marginalized religion, in 762 AD, "a very public way of proclaiming their ideological independence from China and to sharpen distinctions with their rivals, the Qarluqs and Qirğiz, among whom Nestorian Christianity had made some headway ”.[12]

The contradicting sources on the conversion of the Khazars to Judaism still cause difficulties for research. Shaul Stampfer, an expert on modern Eastern European Judaism at Hebrew University in Jerusalem, therefore even doubted the entire historicity of this process in a recent article (2013). But that would mean "throwing the child out with the bath"; the contradictory nature of the various reports suggests that the various authors did not simply copy a common legendary source, but relied on various observers who encountered Judaism in the Khazar Empire.

The great Jewish scholar Solomon Schechter (1847-1915) in the Genizah (storage room) of the Cairo Ben Ezra Synagogue, in which he also discovered letters from the Khazar Empire (https://en.wikipedia.org)

6 Jewish religious life in the Khazar Empire

To what extend did the Khazars adopt Jewish traditions and laws? The description in the Hebrew letters of the 10th century to Ḥasday ibn Šaprut, according to which synagogues and schools were established and Jewish scholars were brought into the country, who interpreted the Bible, the Mishna, the Talmud and the prayer books, describes a complete religious infrastructure, as required by rabbinical Judaism at the time. Arab authors, in particular, confirm the picture of the Khazar contacts of Ḥasday ibn Šaprut. Ibn al-Faqīh al-Hamadānī, whose work can be dated around 1010 AD, wrote: “And they (the Khazars) took on the difficult obligations that the law imposed on the Torah, such as circumcision, the ritual ablutions, the ablution after the expulsion of the (male) semen, the ban on working on the Sabbath and during the feast days, the ban on (eating meat from) animals that are (prohibited) according to this religion, and so on.”[13] From the letter of King Joseph we also learn that the Khazars adopted the Jewish calendar. A further immigration of Jews in the 9th and 10th centuries mentioned in Arabic sources, for example from Mesopotamia, where Babylonia had been an important center of Jewish life for centuries, and from the Byzantine Empire may have strengthened the connection to the Jewish tradition.

To what extent, however, Judaism was widespread within the Khazars and other peoples under their sovereignty, the Arab historians make contradictory statements. Ibn al-Faqīh al-Hamadānī writes: “All Khazars are Jews. But they only recently became Jews,” and Ibn Fadlān, who traveled in the area around 922 AD, states: “The Khazars and their kings are all Jews” [14]. However, al-Mas‛ūdī describes the religious situation in the Khazar capital of Itil in more detail: “There are Muslims, Christians, Jews and pagans in this city. As for the Jews, these are the king, his entourage and the Khazars from his tribe.”[15] Al-Istahrī, who wrote about 950 AD, even notes: “The Khazars are Muslims, Christians and Jews, and among them are idolaters. The smallest group are the Jews, most of them are Muslims and Christians, with the exception of the king and his noblemen, (who) are Jews." And Ibn Rusta (10th century) also writes: "Their supreme leader is committed to Jewish belief, just as (...) the warlords and the nobles who are with him do; the rest of the Khazars have a religion similar to that of the Turks." [16]

Finding from the Khazar fortress of Sarkel at the river Don with Jewish symbols (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/94/Khazars-sarkel.jpg)

One document that was used to demonstrate the wider spread of Judaism in the Khazar sphere of power is the “Kiev Letter”, discovered in 1962. It is a letter in Hebrew from between 870 and 930 AD by a Jewish community in Kiev. The list of signatures includes two officials responsible for the welfare of the community (Parnas), as well as the surnames Kohen (which indicates the descent from the Aaron priestly family) and Levi (as a reference to the descent from the Levi tribe). The background of these community members is controversial in research: were they Jewish immigrants, descendants of Jewish-Khazar or Jewish-Slavic mixed marriages or even Slavic or Khazar converts, who adorned themselves with these venerable names? The Kiev letter therefore cannot be clearly seen as evidence of a wide spread of Judaism among the Khazar population.[17]

If we follow the above mentioned the Arabic sources, Judaism seems to have been limited to the Khazar elites, i.e. the ruler, his entourage, leading clans of the royal tribe and leading members of other tribes. A conversion of larger groups of the population, for example under duress, to Judaism was not attempted by the Khazar rulers. Rather, they took religious diversity into account and established two judges in Itil for Jews, Christians and Muslims and one for the "pagans", the followers of the old religion, as al-Mas alūdī reports to us.

 

7 Responses to Conversion to Judaism by Contemporaries

While Arab historians described the Khazars' Judaism, contemporary Byzantine sources keep completely silent about the conversion; the same applies to the texts of the other Christian neighboring peoples of the Georgians and Armenians - in contrast to the Latin West. The French monk Christian of Stavelot is even one of the oldest observers of the conversion of the Khazars; around 864 AD, he wrote that "one tribes of the Huns called Gazari is circumcised and adheres to Judaism".[18] On the Byzantine side, we may have a Byzantine commentary on the religious situation in a letter from Patriarch Nikolaos I to the Archbishop of Cherson active in the Khazar country in 920 AD; we read: “We greatly appreciate your zeal for this deceived people, who have almost been taken from the womb of piety by the evil demon, and we exhort (you) to show all possible strength for the care and commitment for their salvation whose aptitude to Christ our God and salvation will be fully restored.”[19] The implied hardship of the Khazar Christians in the midst of this“ deceived people” may indicate the special situation of this community, which lived in an empire ruled by a Jewish elite.

All in all, the failure of Constantine-Cyril's mission from Constantinople, where mission and foreign policy were always closely linked and where otherwise one could celebrate great successes with the Slavic neighboring peoples and the Bulgarians during this time, had caused disappointment. Constantin Zuckerman states: "This act (…) was perceived by the Byzantines as a slap in the face and, of course, as a theological challenge."[20] Perhaps as a compensation, Emperor Basil I (r. 867-886 AD) in ca. 868 issued a decree according to which the Jews in the Byzantine Empire should present the evidence of their belief in disputations or recognize Christ as the head of the law and the prophets. These measures may not have improved the relationship between Constantinople and Itil and may have led to further emigrations of Jews to the Khazar Empire. The latter phenomenon is found in connection with another anti-Jewish measure by a Byzantine emperor. Romanos I Lakapenos (r. 920-944) is said to have ordered in ca. 932 AD to baptize all Jews; al-Mas‛ūdī writes: “Some Jews joined him (the king of the Khazars), who arrived there from various Muslim cities and from Rūm (= the Byzantine Empire). This happened because the King of Rūm, in our time (943) it is Armanūs (Romanos I Lakapenos) who converted the Jews who were in his empire to the Christian faith, exerting coercion on them. “ From the Schechter text we learn that retaliation measures against the Christians on Khazar Empire soil were therefore also carried out without this being specified in more detail.[21]

Copper coin of the Byzantine Emperor Romanos I Lakapenos (r. 920-944; https://de.wikipedia.org/wiki/Romanos_I.#/media/Datei:Romanus1.jpg)

 

Overall, relations between the Khazars and Byzantium deteriorated significantly in the 10th century. In his work “De administrando imperio” Emperor Constantine VII Porphyrogennetos around 950 AD even gave instructions to his son Romanos “about the country of the Khazars and how to fight it” with the help of its neighbours. The emperor names the Oguz Turks, the Bulgarians (perhaps the Volga Bulgarians) and the Alans (in the northwestern Caucasus) as peoples that could be mobilized against the Khazars [22]. The latter, formerly under Khazar sovereignty, became a target of a Byzantine mission in the 10th century. The Alans actually went to war against the Khazars, but suffered a defeat in 931/932 against Aaron, Joseph's predecessor, which led to the temporary expulsion of the bishop and Christian priests from the Alans and the restoration of good relations with the Khazars.

The Volga Bulgarians also attempted to free themselves from Khazar sovereignty at this time (around 922 AD), but with the help of the Caliph of Baghdad; they converted to Islam. The destruction of a synagogue on Muslim territory, to which the Khazar ruler responded by demolishing the minaret of a mosque in Itil, also led to a temporary clouding of relations with the Muslims. While various vassal peoples tried to gain independence with the help of the neighboring great powers, the Varangian Rus in the north became another expansive opponent, who was also mobilized against Itil by Byzantine diplomacy. While these attacks under Aaron and Joseph could still be fended off in the first half of the 10th century, the weakened Khazar Empire finally succumbed to the attacks of the Rus under Svjatoslav von Kiev, who conquered and looted Sarkel and Itil in 963–965 AD.

Aerial view of the excavations in the Khazar fortress Sarkel at the river Don in the 1930s
(https://de.wikipedia.org)

 

8 The thirteenth tribe? The Khazar Empire in the 20th and 21st centuries

Of course, the Khazars did not disappear without a trace after the fall of their empire, remains of the Khazar population were documented until the 13th century, and the name "Khazaria" even became established for the Crimean peninsula in the late Middle Ages. The memory of the “Jewish” empire on the Volga also remained alive in medieval Jewish literature, for example in the already mentioned work “Sefer ha-Kusari” by the important Sephardic philosopher and poet Yehuda ha-Levi. However, the continued existence of Khazarian Judaism and its role in the emergence of Judaism in Eastern Europe are questionable. As mentioned, Judaism was probably mainly spread among the Khazar elite, while the majority of the population was attached to the old religion, Christianity and, especially after the defeat in 965/969, Islam. Also, the source evidence hardly allows for the construction of a continuity of Judaism in Eastern Europe from the Khazars to the Ashkenazim, who emigrated to Eastern Europe especially from France and Germany in the late Middle Ages. Nevertheless, various authors, such as the Hungarian-Jewish author Arthur Koestler (1905–1983) in his book “The Thirteenth Tribe”, published in 1976, attempted to postulate the Khazars as ancestors of the Ashkenazim and thus as the ancestors of a large part of today's Jewish population. Recently, methods of modern genetics have also been used, but - in contrast to the claims of a small number of scholars - the majority of studies, especially also the most recent ones, do not document any genetic link of Ashkenazi Jews and earlier populations from the Khazar-ruled territories.[23]

Cover page of the book “The thirteenth Tribe” by Arthur Koestler, published in 1976

 

The existence of a medieval Jewish empire in Eastern Europe was also exploited by anti-Semitic circles and the Nazis, considering the Soviet Union as the product of "Jewish Bolshevism", the heir to this "Jewish-barbaric Eastern Empire" and Russia as the "true home of Judaism" . The book “Attila's grandson on David's throne” by Erwin Soratroi from 1992 bumps into a similar horn; he wants to see "Eastern Jewry" in its entirety as the descendants of the "Hunnic" Khazars in order to de-legitimize the existence of the state of Israel: "This clarification about the ethnic origin of the Eastern Jews is of enormous importance, because currently the Semitic Jews are only 10 Percent, but the eastern Jewish Khazar descendants make up 90 percent of the world's Jewish population and also in what is now Israel. But this also destroys the basis of most of today's Israelis for their claim to the land of the Arabs and Jerusalem.”[24] Because of its also otherwise anti-Semitic statements, Soratroi's book was banned in Germany.

Russian and Soviet historiography also attempted to downplay the role of the Khazars in the founding of Kiev or the foundation of medieval Russia [25]; rather, the Jewish Khazars were seen as the forerunners of the "Tatar (Muslim) yoke" that the Mongols would have brought from the steppes over the Eastern Slavs. When Mikhail Ilarionovič Artamonov (1898–1972), the excavator of Sarkel, wanted to demonstrate the significance of the Khazars in a book, he was condemned in 1951 by the Communist party newspaper “Pravda”. According to official Soviet historiography, the resistance of the Eastern Slavs against the "capitalist Jewish exploiters" in Itil led to the unification under the throne of Kiev and the emergence of the Russian state. Today's Russian historiography also struggles with the Khazars and a fair assessment of their historical importance. In Russian nationalist circles, the Khazar Empire, interpreted as the beginning of a Jewish conspiracy against Russia that continues to this day, has even become a central issue. This also makes the context of the above-mentioned debate about the Svjatoslav monument clearer. [26] Nevertheless, there is also a significant number of Russian scholars and archaeologists doing most important work on the Khazar heritage.

It is probably the relative uniqueness of the Khazar Empire as a large medieval state with a Jewish elite that makes its instrumentalization for various ideologies so tempting to the present day. This often obscures the objective view on one of the most exciting episodes in Europe's medieval history.

Johannes Preiser-Kapeller

Note: This is the English translation of a paper published in German in the journal Religionen unterwegs 22/1 (March 2016), see: www.academia.edu/23552485/The_Religion_of_the_Khazars_-_a_Jewish_Empire_in_German_

 

Endnotes

1 https://www.fjc.ru/news/newsArticle.asp?AID=329123 and https://www.xeno.sova-center.ru/6BA2468/6BB4208/706B4D8?print=on

2 Movses Kałankatwacʽi II, 40: 240–241; transl. Dowsett 156

3 Wasserstein, The Khazars and the World of Islam 375–376; Howard-Johnston, Byzantine Sources for Khazar History 167; Golden, Khazar Studies I, 62–64; ders., The Conversion of the Khazars to Judaism 137; Shapira, Armenian and Georgian Sources on the Khazars 308–309, 349.

4 Noonan, Some Observations on the Economy of the Khazar Chaganate 211.

5 An English translation in: J. Marcus, The Jews in the Medieval World: A Sourcebook, 315–1791. New York 1938, 227–232; cf. also Brook, The Jews of Khazaria 98–100.

6 P. K. Kokovcov, Evrejsko-chazarskaja perepiska v X v. Leningrad 1932

7 N. Golb – O. Pritsak, Khazarian Hebrew Documents of the Tenth Century. London 1982.

8 Zuckerman, On the Date of the Khazars‛ Conversion to Judaism 246; Brook, The Jews of Khazaria 94–107.

9 Zuckerman, On the Date of the Khazars‛ Conversion to Judaism 246.

10 Golden, The Conversion of the Khazars to Judaism 156; Noonan, Some Observations on the Economy of the Khazar Chaganate 233–240; Brook, The Jews of Khazaria 107–108.

11 Vita Constantini IX (ed. Grives – Tomšič; transl. Bujnoch 73–74).

12 Golden, The Conversion of the Khazars to Judaism 130

13 Cited after Brook, The Jews of Khazaria 94–95.

14 Golden, The Conversion of the Khazars to Judaism 142 and 142; Brook, The Jews of Khazaria 110.

15 Golden, The Conversion of the Khazars to Judaism 144; Brook, The Jews of Khazaria 110.

16 Cited after Golden, Khazar Studies I, 97.

17 N. Golb – O. Pritsak, Khazarian Hebrew Documents of the Tenth Century. London 1982; cf. also Brook, The Jews of Khazaria 103–106.

18 Patrologia Latina 106, col. 1456; Zuckerman, On the Date of the Khazars‛ Conversion to Judaism 245, fn. 31; Golden, The Conversion of the Khazars to Judaism 139; Brook, The Jews of Khazaria 96.

19 Nicholas I,  Patriarch of Constantinople, Letters (ed. Jenkins –Westerink), Nr. 106, 14–19 (p. 390).

20 Zuckerman, The Khazars and Byzantium 400; Zuckerman, On the Date of the Khazars‛ Conversion to Judaism 255

21 Dölger – Müller – Beihammer, Regesten Nr. 624; al-Mas‛ūdī cited after Golden, The Conversion of the Khazars to Judaism 144; Zuckerman, The Khazars and Byzantium 400; Zuckerman, On the Date of the Khazars‛ Conversion to Judaism 255; Brook, The Jews of Khazaria 90–91, 110; Roth, Chasaren 169.

22 Constantine Porphyrogenitus, De administrando imperio (ed. Moravcsik – Jenkins), c. 10–12: 62–64; Soustal – Belke, Die Byzantiner und ihre Nachbarn 86–88.

23 A. Koestler, Der dreizehnte Stamm. Das Reich der Khasaren und sein Erbe. Bergisch Gladbach 1989, 126–184; Golden, Khazar Studies: Achievements and Perspectives 9; Brook, The Jews of Khazaria 197–246. For an update on Genetic data see (with many thanks to Kevin Brook for the information): www.khazaria.com/genetics/medieval/khazars.html

24 E. Soratroi, Attilas Enkel auf Davids Thron. Chasaren, Ostjuden, Israeliten. Tübingen 1992, 56; cf. Also Roth, Chasaren 204–205; Th. Schirrmacher, Die osteuropäischen Juden – Nachfahren der mittelalterlichen Khasaren? Martin Buber Seminar Texte 23 (2004), see https://www.contra-mundum.org/schirrmacher/ mbstexte023.pdf. 

25 Th. S. Noonan, The Khazar Qaghanate and its Impact on the Early Rus' State: The translatio imperii from Itil to Kiev, in: A. M. Khazanow – A. Wink (eds.), Nomads in the Sedentary World. Richmond 2001, 76–102.

26 Golden, Khazar Studies: Achievements and Perspectives 8, 19–28; V. A. Shnirelman, The Story of a Euphemism: The Khazars in Russian Nationalist Literature, in: P. B. Golden – H. Ben-Shammai – A. Róna-Tas (eds.), The World of the Khazars. New Perspectives. Leiden – Boston 2007, 353–372; Roth, Chasaren 205–208.

 

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